Die Digitalisierung bewegt die Leasing-Wirtschaft

Mehr als das konjunkturelle Umfeld oder die Neugeschäftsentwicklung bewegt derzeit die Digitalisierung viele  Leasing-Gesellschaften. Rund 80 Vertreterinnen und Vertreter von Leasing-Gesellschaften sowie Kooperationspartnern diskutierten Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels für die Leasing-Branche auf dem 3. BDL-Forum Digitalisierung am 2. Oktober 2018 in Berlin.

Wie wird die Digitalisierung die Leasing-Wirtschaft verändern?

„Wie wird die Digitalisierung die Branche verändern? Wie wollen Kunden künftig mit Leasing-Gesellschaften zusammenarbeiten, über Plattformen, nur noch digital ohne persönlichen Kontakt? Sicher nicht alle, aber wieviel bleibt vom bisherigen übrig?“

Diese Fragen stellte Michael Mohr, BDL-Vorstand, in seiner Keynote zum 3. BDL-Forum Digitalisierung.

 

Drei Trends in der Digitalisierung

Mohr identifizierte drei grundsätzliche Trends in der Digitalisierung:

  1. die Beschleunigung in punkto Ideenfindung, Entwicklung und Umsetzung,
  2. eine neue Fehlerkultur sowie
  3. eine enorme Datenexplosion.

Im Ergebnis bedeuten alle drei, neue Arbeitsmethoden und einen anderen Umgang miteinander zu finden. Es gehe nicht nur um das Schlagwort Agilität oder innovative Arbeitsmethoden, sondern „die gesamte Herangehensweise an Veränderungen zu verstehen“, erklärt der BDL-Vorstand. Auch in der Vergangenheit wurden Fehler begangen und es galt, aus ihnen zu lernen. „Jetzt jedoch sind Fehler regelrecht gewollt. Insbesondere die unternehmerisch Gescheiterten werden mit ihrer daraus resultierenden Erfahrung in Start-ups gesucht“, schilderte er.

Mohr, der Sprecher der Geschäftsleitung der abcfinance GmbH in Köln ist, stellte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gretchenfrage: „Kann es sein, dass während Branche für Branche - Musik, Buchhandel, Zeitungen oder auch Konsumentenkredite - vom Umbruch, von der Disruption betroffen sind, dieser Trend an der Leasing-Branche vorbei geht?“ und beantwortete sie sogleich: „Kaum zu glauben. Vielleicht wiegen wir uns hier noch in einer scheinbaren Sicherheit.“ Schließlich haben Plattformen in anderen Branchen gezeigt: Ist nur eine erfolgreich, so zieht dies einen radikalen Wandel nach sich. „Ein einfaches Produkt, Preisführerschaft durch Vollautomatisierung und vor allem eine smarte Anwendung – und schon verändert sich eine ganze Branche“, beschrieb Mohr den Prozess.

Werkstattbericht aus der Deutschen Leasing

Wie eine Leasing-Gesellschaft konkret die digitale Transformation angeht, stellte Dr. Hauke Christian Öynhausen, Leiter Konzern-Strategie der Deutsche Leasing AG, in seinem Werkstattbericht dar. Die Deutsche Leasing positioniert sich als Smart Follower und setzt die digitale Transformation zweigleisig im sogenannten explore- und exploit-Pfad um. Während der exploit-Pfad die Produkt- und Prozessoptimierung, Datenmanagement und die Weiterentwicklung der IT-Infrastruktur im Rahmen des bestehenden Kerngeschäfts vorsieht, werden im explore-Pfad neue Geschäftschancen entwickelt, Prototypen geprüft und Lösungsansätze entwickelt.

Digital Innovation Unit (DIU)

Hierfür hat die Deutsche Leasing die Digital Innovation Unit (DIU) als Forschungs- und Entwicklungseinheit eingerichtet, die ihren Sitz in Frankfurt „nahe den Fintechs und dem Wettbewerb“ hat. Die fünf Mitarbeiter dieser „digitalen Werkstatt“ werden von Digitalen Botschaftern unterstützt. Diese sind Mitarbeiter der Deutschen Leasing Gruppe, die für zwei Jahre zu einem gewissen Anteil von ihrer Arbeitszeit für die Zusammenarbeit mit der DIU freigestellt sind. Gemeinsam analysieren sie Marktentwicklungen, Trends und Technologien, entwickeln Prototypen, bringen ihr Fachwissen ein und kommunizieren die Ergebnisse wieder in die Unternehmensgruppe. Sogenannte Trend- und Suchfelder bilden den Rahmen für die operative Ideengenerierung. Als ein aktuelles Suchfeld stellte Dr. Öynhausen „Pay per use“ vor. Abschließend gab er noch einen Einblick in künftige Aktivitäten, u. a. die Veranstaltung eines Innovation Days. Auf diesem sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Digitalisierung – Technologien, Innovationen, Arbeitsweisen – erleben können.

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Anforderungen der BaFin an die IT

Eine zentrale Rolle bei der digitalen Transformation kommt der IT zu. Bei Leasing-Gesellschaften greifen hier die bankenaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT). Die BAIT macht Vorgaben zu IT-Strategien, zur IT-Governance, zum IT-Risikomanagement und zum IT-Sicherheitsmanagement. Welchen Rahmen steckt die Aufsicht damit ab, lässt dieser den Leasing-Gesellschaften ausreichend Raum für die Digitalisierung bestehender und die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle?

Christoph Ruckert, Referat Grundsatz IT-Aufsicht und Prüfungswesen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, erläuterte, was die BaFin unter einer angemessenen technisch-organisatorischen Ausstattung der IT-Systeme versteht. Insbesondere ging er auf die Anforderungen an die Informationssicherheit ein.

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Diskussionsrunde: Quo vadis Leasing?

In der anschließenden Podiumsdiskussion „Quo vadis Leasing?“ sprachen Mohr, Ruckert, Dr. Öynhausen, Bernd Dambacher, Miller Leasing Miete GmbH, und Dr. Lars Rüsberg, afb Application Services AG, über Hürden und Chancen für die Digitalisierung in der Leasing-Branche.

In punkto Regulierung kritisierte die Runde exemplarisch die zahlreichen Dokumentationspflichten, die extrem aufwendig seien, ohne den Gesellschaften einen wesentlichen Mehrwert zu bieten. BDL-Vorstand Mohr appellierte Richtung BaFin für eine Aufsicht mit Augenmaß. Weniger bedrohlich als häufig in den Medien dargestellt, wurden Fintechs eingeschätzt. Ihnen fehle bei guten Ideen letztlich der Zugang zum Markt, jedoch gebe es bereits zahlreiche Kooperationen von Fintechs und Leasing-Gesellschaften.

Abschließend wagte das Podium einen Blick in die Zukunft. In drei bis fünf Jahren seien die Hausaufgaben gut gemacht: Offene, flexible Back-Ends stehen, neue Abrechnungsmodelle in Realtime sind an der Tagesordnung; Plattformen gibt es für Standard- und vereinzelt für Individualgeschäfte. Jedoch befürchteten die Podiumsteilnehmer eine schärfere Konkurrenz zu den Banken, deren Asset-Kompetenz durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz zunehme, sowie das zunehmende Risiko bei Datensicherheit und Haftung.

Workshops

Am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kleingruppen Themen rund um Künstliche Intelligenz, digitales Onboarding, Bots, Customer Experience, Plattformen, e-Learning, Informationssicherheit und zukunftsfähige Software vertiefen:

Workshop 1: First Class Service beim Customer Onboarding

(afb Application Services AG, Dr. Lars Rüsberg)

Im Workshop wird die Bedeutung des Customer Onboarding als Ziel des Customer Journey sowie der Mehrwert eines digitalen Customer Onboarding gegenüber dem Status Quo erläutert. Es wird Onboarding in der Praxis sowie neue Technologien und ihre Einsatzmöglichkeiten vorgestellt. 

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Download Fachartikel: Optimale Customer Experience im Firmenkundengeschäft

Workshop 2: Praxisgerechte Informationssicherheit im Leasing

(SIZ GmbH, Dr. Keye Moser)

Im Workshop wird zunächst vor dem Hintergrund der bestehenden Regulierungslage auf den Stellenwert der Informationssicherheit für Leasing-Unternehmen eingegangen. Dabei werden die für Unternehmen realistisch bestehenden Bedrohungen durch verschiedene Interessengruppen erarbeitet. Im zweiten Teil des Workshops werden für den heute anzuratenden Lösungsweg "ISO 27001" typische Herausforderungen und deren praxisgerechte Umsetzung mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern diskutiert.

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Workshop 3: Kollaboration mit Finanzierungsplattformen - Vorteile auf allen Seiten?!

(FinCompare GmbH, Sven Romberg )

Die Zusammenarbeit mit digitalen Finanzierungsplattformen birgt Chancen auf allen Seiten. Plattformen haben eine hohe Expertise in der digitalen Kunden- und Geschäftsanbahnung - Leasing-Gesellschaften verfügen über ein ausgeprägtes Know-how in Abwicklung, Risiko- und Objekteinschätzung. Im Workshop werden die Facetten potenzieller Kooperationsmöglichkeiten beleuchtet und anschauliche Beispiele aus der Praxis eingebracht. 

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Workshop 4: Digitale Wissensvermittlung – Methoden, Chancen & Risiken

(Axel Schäfer, Schäfer & Partner GmbH)

eLearning ist heute bereits weit verbreitet. Dabei steht oft eine multimediale Gestaltung fehlenden methodischen Kompetenzen gegenüber. Richtig ausgewählt und eingesetzt, kann eLearning sehr sinnvoll für jedes Unternehmen sein. Dabei gilt es, Chancen und Risiken zu bewerten und Art, Umfang und Steuerung von Online-Lernangeboten genau zu betrachten, insbesondere für die Schulung eigener Mitarbeiter und für Vertriebspartner. Im Workshop werden Aspekte für den Einsatz im Unternehmen erarbeitet.

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Workshop 5: Customer Experience Management in der Finanzdienstleistung – Kundenerlebnisse, Kundenloyalität und Kundenzufriedenheit

(O’Donovan Consulting AG, Uwe Michler)

Customer Experience in Unternehmen stellt eine wichtige digitale Initiative dar. Immer mehr Unternehmen wollen durch aktives Management der Customer Experience positive Kundenerlebnisse schaffen. Es geht um konkrete Ansatzpunkte, um gezielt die Kundenzufriedenheit und die Kundenloyalität zu steigern und sich vom Wettbewerb zu differenzieren. Im Workshop soll über Möglichkeiten und Werkzeuge diskutiert werden, die den Dialog mit den Kunden zukunftssicherer machen können. 

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Workshop 6: Silicon Valley in der Leasing-Branche? Einsatzmöglichkeiten für Bots & Co

(NAVAX Unternehmensgruppe, Yves Underwood | Yodel.io, Mike Heininger)

Das auf Leasing spezialisierte IT-Systemhaus NAVAX lädt gemeinsam mit dem Technologie-Startup und Partner Yodel.io zur Diskussion über Möglichkeiten und Anwendungsfälle von künstlicher Intelligenz, Bots, Spracherkennung und intelligenten Kunden-Dialogen in der Wirtschaft und Finanzwirtschaft ein. Dabei sollen die Teilnehmer einen Überblick über den Status Quo der Technologien sowie bisheriger Einsätze erhalten und sich mit den Workshop-Moderatoren über ihre persönliche Einschätzung zu Relevanz und potenziellen Use-Cases im Leasing-Geschäft austauschen.

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Workshop 7: Digitalisierung – was heißt das für meine Software?

(Sopra Banking Software GmbH, Michael Singhammer)

Im Focus der Digitalisierung steht die eingesetzte Software. Im Workshop wird ein Blick auf aktuelle Anforderungen und Voraussetzungen für die Zukunft geworfen. 

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Filmbeitrag

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