Industrie 4.0: Leasing ermöglicht Investitionen in den digitalen Wandel

Daten als neuer Treibstoff der Industrie

Die digitale Transformation ist derzeit in aller Munde. Es ist von der digitalen Revolution die Rede, dem Internet der Dinge, Big Data, von Smart Products und der Smart Factory, der Vernetzung des Menschen mit Maschinen und Produkten über Tablets, von Produktion in Losgröße 1 etc. letztlich geht es immer um die Vernetzung von Maschinen und riesigen Datenmengen zur Auswertung von Prozessen. Daten gelten daher als der neue Schmier- und Treibstoff der Industrie.  Und während der alte Treibstoff Öl immer günstiger wird, steigt der Wert von Big Data.

Es verwundert daher nicht, dass der digitalen Transformation der deutschen Wirtschaft eine Schlüsselrolle für die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft zugeschrieben wird. Der Deutsche Bundestag formulierte 2015 das Ziel, Deutschland zum internationalen Leitmarkt und führenden Anbieter in diesem Bereich zu machen. Das neue Zeitalter wirft zahlreiche Fragen auf, rechtliche Fragen nach Datensicherheit, Urheberrechts- und Haftungsfragen, nach der Förderung von Forschung und Entwicklung, nach der Gestaltung der neuen Arbeitswelten, nach einer Veränderung der Unternehmenskultur in vielen Firmen etc. „Alles wichtige Aspekte, jedoch wird ein entscheidender Punkt dabei eher stiefmütterlich behandelt: Wer kann die digitale Umgestaltung der Wirtschaft finanzieren?“, merkt BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler kritisch an.

Investitionsbedarf bis 2020 jährlich 40 Mrd. Euro

Um den Wandel zu vollziehen, sind immense Investitionen u. a. in die Digitalisierung von Produktentwicklung und Engineering sowie in die Automatisierung der Fertigung notwendig. In der PwC-Studie „Industrie 4.0 – Chancen und Herausforderungen der vierten industriellen Revolution“ schätzen Experten bis 2020 einen jährlichen Investitionsbedarf von rund 40 Mrd. Euro – allein für Industrieunternehmen. Die Finanzierung dieser Investitionen erweist sich jedoch als Hemmschuh. Der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) ermittelte in seiner „Industrie 4.0 Readiness-Studie“, dass etwa zwei von drei Unternehmen mangelnde Finanzkraft oder fehlende Finanzierungslösungen als Hürde nennen, Industrie 4.0-Projekte zu beginnen oder voranzutreiben. „Aufgrund der steigenden Komplexität von fortschreitenden Industrie 4.0-Projekten geben 63,4 Prozent der Pioniere an, dass sie die fehlende Finanzkraft zur Durchführung von Investitionen daran hindert, das Thema weiter voranzutreiben. Damit liegt die Finanzierungsfrage als Hemmnis bei Pionieren vor den Forderungen nach einheitlichen Standards, der IT-Security oder der Klärung von Rechtsfragen“, heißt es in der Studie. 

Finanzierung ist Hemmnis

Die klassischen Finanzierungsinstrumente tun sich schwer bei diesem Thema. Dies liegt einerseits an der Art der Investition – WAS soll finanziert werden - und andererseits an den zu finanzierenden Unternehmen – WER fragt nach der Finanzierung. Der Investitionsbegriff befindet sich im Wandel: Es geht nicht mehr ausschließlich um den Maschinenbauer, der eine moderne Anlage finanzieren will. Verstärkt sind Unternehmensprozesse im Fokus, immaterielle Werte wie Software und Patente gewinnen an Bedeutung. 

 Investitionsbegriff im Wandel

Dreh- und Angelpunkt für den digitalen Wandel sind  innovative Software und Apps sowie mobile Anwendungen, die von kreativen Start ups entwickelt werden. Die bisherige vertikale Wertschöpfungskette vernetzt sich horizontal. Bei der Finanzierung muss daher die gesamte Wertschöpfungskette bewertet werden, nicht nur der Projektträger.

Und die Partner einer Prozessinnovation verfügen über unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten, was es für herkömmliche Finanzierungen schwierig macht. Investitionen in Industrie 4.0-Projekte stellen daher für Finanzinstitute eine Herausforderung dar.

Neue Finanzierungsmodelle

In den Leasing-Unternehmen arbeiten Finanzexperten mit Branchen-und Technik-Know-how, darunter z. B. Ingenieure und ITK-Spezialisten. Diese Fachleute können Prozesse bewerten und flexible passende Finanzierungslösungen konzipieren. „Denn mit den neuen Geschäftsmodellen gehen auch neue Finanzierungsmodelle einher“, weiß der BDL-Hauptgeschäftsführer und veranschaulicht dies an einem Beispiel: „In vielen Fertigungsunternehmen fehlt das Spezialwissen über Hard- und Softwarelösungen, die für das Datenmanagement notwendig sind. Spezialisierte Leasing-Unternehmen bieten die Finanzierung in der Cloud an: Software wird dem Kunden in der Cloud zur Verfügung gestellt, er muss sie nicht mehr im Unternehmen physisch installieren. Andere Modelle sehen ‚pay per save‘ vor.“ 

Objekt- und Prozess-Know-how prädestiniert Leasing

Um maßgeschneiderte Finanzierungsmodelle anbieten zu können, ist das Know-how des Produktionsprozesses unabdingbar. Leasing-Gesellschaften sind spezialisiert auf die von ihnen finanzierten Branchen und Anlagen und profitieren von ihrer nicht selten jahrzehntelangen Erfahrung. Über diese Expertise  verfügen andere Finanzierer nicht.

Wie schwierig die Finanzierung digitaler Investitionen gerade auch für kleinere Unternehmen ist, zeigt ein Projekt am Institut für Integrierte Produktion Hannover. Dort wird wissenschaftlich untersucht, welche Betreibermodelle 3D-Drucker auch für kleinere Unternehmen nutzbar werden. Also Modelle, bei denen 3D-Drucker nicht an den Kunden verkauft, sondern für einen bestimmten Zeitrahmen zu vereinbarten Konditionen zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt läuft noch bis 2017. Diskutiert werden u. a. Vergütungsarten, die von den produzierten Einheiten oder von der Verfügbarkeit abhängig sind, sowie die sich daraus ergebenden Risiken für Anbieter und Nachfrager: Sicherheit der Verfügbarkeit, der Qualität der Produkte, Marktrisiko etc. Die Übernahme bestimmter Risiken durch den Anbieter muss durch höheres Entgelt bezahlt werden. Im Gegenzug ist die Entschädigung beim Ausfall des Druckers denkbar. Leasing ist ein klassisches Betreibermodell.

Klare Rahmenbedingungen für Leasing-Investitionen notwendig

Damit die Leasing-Gesellschaften die Investitionen in den digitalen Wandel realisieren können, brauchen sie klare rechtliche Rahmenbedingungen. Ein Beispiel hierfür ist die teilweise noch fehlende rechtliche Klarheit beim Datenschutz. In den digitalisierten Prozessen werden Unmengen an Daten gesammelt und ausgewertet. die Analyse kann dabei helfen, optimierte Services anzubieten. „Wer ist der Eigentümer der Daten und wer darf darüber wie verfügen?“, ist nur eine der Fragen, die sich grundlegend neu stellen. Eng verknüpft ist das Thema mit Datensicherheit und Haftungsfragen. Wer haftet z. B. für Schäden, die selbstlernende Systeme erzeugt haben? Nicht alle diese Fragen können vertraglich zwischen den Unternehmen und den Leasing-Gesellschaften geregelt werden.

Nicht zuletzt sind auch Steuerfragen zu klären. Denn Industrie 4.0 beschleunigt das Innovationstempo. Investitionen müssten dem Innovationszyklus auch steuerlich angepasst werden. „Eine schnelle Abschreibung für Software und Anlagegüter oder auch Sonderabschreibungsmöglichkeiten wie sie der Arbeitskreis Industrie 4.0 im Mittelstandsbeirat des Bundeswirtschaftsministeriums im September 2015 gefordert hat, begrüßen wir daher ausdrücklich“, erklärt BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler. 

Investitionsbeispiele

Investitionsbeispiele, die Leasing-Gesellschaften begleitet und finanziert haben, zeigen, dass die hohen Erwartungen der Unternehmen an die Digitalisierung ihrer Produktion und Prozesse realistisch sind: 

Wer heute sein Auto zum Start in den Urlaub oder vor der Dienstreise am Düsseldorfer Flughafen abstellen will, stößt auf zwei ungewöhnliche Parkassistenten. Vorbei sind die Zeiten, in denen man viele Runden im Parkhaus drehte, um einen freien Platz zu ergattern, oder nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub stundenlang sein Fahrzeug im Parkhaus suchte. Heute übernehmen die beiden Parkroboter „Ray“ das Einparken und – nach der Rückkehr – das Ausparken des Wagens. Neben entspannten Reisenden erbringen die Roboter einen entscheidenden Vorteil für den Flughafen Düsseldorf: Der knappe Parkraum wird effizient ausgelastet. Das Parkhaus bietet auf derselben Fläche Platz für 300 statt zuvor 230 Fahrzeuge, da die Roboter intelligent operieren und Parkraum wirkungsvoll nutzen.

Effizienzsteigerung ist auch ein entscheidendes Ergebnis einer Neuinvestition der Huckelhovener Druckerei Jakobs. Eine 4-Farben Heidelberger Druckmaschine wurde um ein Steuerungssystem erweitert. Das neue System macht Anlaufbögen überflüssig und stellt die Druckfarben mithilfe moderner Datentechnik selbstständig ein. Das Resultat: Pro Tag werden zwei Stunden Rüstzeit und damit verbundene Kosten eingespart.

Auch bei johnen-druck in Bernkastel-Kues erzielten Neuinvestitionen in hocheffiziente Druck und Verarbeitungsanlagen Effizienzsteigerungen von 55 Prozent. „Die mittelständisch geprägte Druckbranche unterliegt seit einigen Jahren einem drastischen Strukturwandel. von den früheren 12.000 bis 13.000 Unternehmen werden künftig nur noch rund 2.000 überleben“, erläutert Geschäftsführer Richard Johnen. „Um angesichts dieser rasanten Entwicklung unserer hochtechnisierten Branche zu bestehen, bieten wir unseren Kunden eine Fülle von Bequemlichkeiten und eine für die Druckbranche einmalige Vielfalt an Dienstleistungen, damit sie gerne bei uns bleiben. Außerdem gilt es, sämtliche Rationalisierungsmöglichkeiten der neuesten Drucktechnik zu nutzen, um unseren Kunden ein optimales Preis-Leistungsverhältnis bieten zu können. Wir sind überzeugt, dass individuell zugeschnittene Finanzierungsangebote den digitalen Wandel und erforderliche Investitionen in ‚Industrie 4.0‘ nachhaltig unterstützen.“

Diese und weitere Kundenbeispiele finden Sie im BDL-Jahresbericht 2016