9. Fachtagung Leasing und Kreditwirtschaft: Zusammen wachsen

Einen neuen Teilnehmerrekord erzielte mit über 120 Vertreterinnen und Vertreter von Leasing-Gesellschaften und Refinanzierungspartnern die 9. Fachtagung „Leasing und Kreditwirtschaft“ am 12. April 2019 in Berlin. Unter dem Leitthema „Zusammen wachsen“ diskutierten Experten von Leasing-Gesellschaften, Kreditinstituten, Fintechs, der BaFin und des DIHK über Regulierung, Digitalisierung und innovative Refinanzierungswege.

BDL-Vizepräsident Thomas Kolvenbach eröffnete die Fachtagung, die 2003 vom Ausschuss für Finanzierungsfragen des BDL ins Leben gerufen worden war. „Die Attraktivität von Leasing ist ungebrochen“, gab er einleitend einen Marktüberblick. 2018 war ein erfolgreiches Jahr für die Leasing-Wirtschaft, die ein Neugeschäft von 70 Mrd. Euro erwirtschaftete. Auch in das aktuelle Jahr seien die Gesellschaften gut gestartet. „Der Leasing-Anteil an außenfinanzierten Investitionen beträgt seit Jahren über 50 Prozent. Leasing ist damit ein Grundpfeiler der Unternehmensfinanzierung in Deutschland, insbesondere des Mittelstandes, und damit eine wesentliche Stütze unseres deutschen Mittelstands“, betonte er die Bedeutung der Branche. 

Doch der Regulierungsdruck habe seit der Unterstellung unter die Finanzmarktaufsicht 2008 kontinuierlich zugenommen, kritisierte der BDL-Vizepräsident. Ursprünglich als „KWG light“ konzipiert, seien die Anforderungen und Pflichten, die Leasing-Gesellschaften zu erfüllen haben, kontinuierlich angestiegen. Die Ursache hierfür liege im Konzept der Aufsicht: Alle wesentlichen Regulierungsinitiativen richten sich zunächst an internationale Großbanken. Von diesen Großbanken werden die Standards abgeleitet und treffen die mittelständische Leasing-Branche. „Leasing-Gesellschaften sind jedoch keine Banken. Wir sind deutlich kleiner als Banken, weniger komplex, haben ein anderes Geschäftsmodell und ein viel geringeres Risikoprofil. Folglich dürfen wir nicht nach Bankenstandards reguliert werden“, erklärte er. Ziel sei es daher, dass die Dynamik der Regulierung gebremst und überbordende Bürokratie abgebaut wird, damit auch kleinere Gesellschaften wieder Luft zum Atmen erhalten.

Neue Finanzierungsmodelle erfordern neue Refinanzierung

Mehr Luft zum Atmen können die Gesellschaften gut gebrauchen, denn in Zeiten des digitalen Wandels gilt es, sich auf veränderte Kundenbedürfnisse und die Herausforderungen der Digitalisierung einzustellen. „Auf Kundenseite entstehen neue Geschäftsmodelle, die auch die Erwartungen an unser Produkt verändern. Kunden wollen noch flexiblere, mit Zusatznutzen angereicherte Leasing-Modelle, mit mehr Serviceangeboten zu ihrer Entlastung.“ Neue Finanzierungsmodelle, wie pay-per-use, verändern jedoch auch den Refinanzierungsbedarf der Leasing-Gesellschaften.

Aus Sicht einer Bank sei die Refinanzierung von Leasing-Gesellschaften ein attraktives Geschäft, führte Kolvenbach aus: Es ist breit gestreut, bringt eine vernünftige Rendite und ist ausgesprochen risikoarm. „Um zusammen zu wachsen, brauchen wir jedoch Refinanzierungsmöglichkeiten, die Kundenorientierung und neue Geschäftsmodelle ermöglichen“, appellierte der Neusser Unternehmer an die Vertreter der Kreditwirtschaft. 

Lösungen statt Finanzierung

Auf die veränderten Anforderungen im Finanzierungsmarkt ging anschließend Mathias Gans, zeb.rolfes.schierenbeck.associates gmbh, ein. Da es kaum Engpässe gibt – nur drei Prozent aller Unternehmer klagen über Finanzierungsschwierigkeiten, ist der Finanzierungsmarkt zum Nachfragemarkt geworden. Um für Kunden relevant zu bleiben, empfahl Gans, drei Punkte zu beachten:

1. Finanzierungsprodukte brauchen einen digitalen Kern, der die Ansprüche der Kunden an einfacher Bedienung, reibungslosen Kanalwechsel und Individualisierung von Leistungen erfüllt.

2. Kundenpräferenzen, Bedürfnisse und Pain Points müssen ermittelt sowie entsprechende Lösungen und Services entwickelt werden.

3. Als dritten Punkt riet Gans, Ökosysteme, Plattformen zu bauen, die die Kundenschnittstellen und angebotenen Leistungen optimal zusammenbringen.

Als Beispiel für eine gelungene Servicelösung führte er das Projekt „Zahnpraxis der Zukunft“ der Deutschen Apotheker- und Ärztebank an, die junge Zahnmediziner beim Schritt in die Selbständigkeit unterstützt. Es werden Räumlichkeiten angemietet, die Praxis komplett vom Wartezimmer bis zur Buchhaltungssoftware ausgestattet und das Gesamtpaket schlüsselfertig an die Zahnmediziner vermietet, die sich ganz auf ihre Patienten konzentrieren können. 

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Lebhafte Podiumsdiskussion

In der Podiumsdiskussion – moderiert von FLF-Chefredakteur Philipp Otto – diskutierten Dr. Christian Fahrholz, DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag, Thomas Happel, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Andre Kruchem, De Lage Landen Leasing GmbH, Dr. Paul Kunkel, PK Consulting, Florian Mahler, Compeon GmbH, und Thomas Zetek, PEAC (Germany) GmbH, über Entwicklungen im Finanzierungmarkt, die Bedeutung der Digitalisierung und regulatorischen Anforderungen an Leasing-Gesellschaften. Der Kunde fragt nicht nach Leasing oder einer Finanzierung, vielmehr nach einer Lösung – dies werde sich weiter verstärken, war sich die Runde einig. Auf Sicht werde sich auch der vermeintliche Gegensatz von Fintechs und Banken auflösen, bereits heute kooperieren viele Institute oder kaufen Startups auf. Die Diskutanten sahen zwar in der Plattformökonomie die Zukunft, waren sich aber einig, dass persönliche Beziehungen und Erfahrungen ihre Bedeutung behalten werden. Thomas Happel erklärte, dass der schlanke Ansatz einer Aufsicht „light“ für Leasing-Gesellschaften angemessen ist und beibehalten werden kann. Er stellte in Aussicht, mit der Branche über konkrete Punkte zu diskutieren. 

Getrübte Konjunkturaussichten

Getrübte Aussichten vermittelte Bernd Weidensteiner, Ökonom der Commerzbank AG. Er betitelte seinen Vortrag mit „Deutsche Wirtschaft – 2019 kein guter Jahrgang“. Aufgrund des abgekühlten Exportgeschäfts, so Weidensteiner, stürzen die deutschen Auftragseingänge ab. Die Risiken an den Exportmärkten haben zugenommen, es drohen Zölle für Autoimporte in die USA. Auch die ungewisse Brexit-Umsetzung sorgt für Unsicherheiten bei den Unternehmen. Nicht zuletzt nimmt der Verschuldungsgrad in China dramatisch zu, ähnliche Verhältnisse lösten in den USA die Wirtschaftskrise aus. Weidensteiner schloss jedoch mit einem versöhnlichen Ausblick und prognostizierte nach der konjunkturellen Eintrübung in 2019 die Erholung der Konjunktur.  

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Digitaler Finanzbericht

Zum Abschluss des Tages wurde es mit dem Referat von Thomas Hommen, MMV Leasing GmbH, und Dr. Michael Munsch, Creditreform Rating AG, noch einmal praxisnah. Beide sprachen über die Verarbeitung von Jahresabschlüssen der Kredit- und Leasing-Nehmer mit FortDocs und dem Digitalen Finanzbericht. Der DiFin ist ein Industriestandard zur medienbruchfreien Übermittlung von Jahresabschlüssen. FortDocs ist ein webbasiertes Portal und ermöglicht seinen Nutzern, wichtige Dokumente wie Jahresabschlüsse, Verflechtungsinformationen und weitere bonitätsrelevante Informationen hochzuladen und anschließend Geschäftspartnern und Finanzdienstleistern zur Verfügung zu stellen. 

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Filmbericht

Einen Zusammenschnitt mit Auszügen einiger Vorträge sehen Sie hier:

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Drei Fragen an

Am Rande der 9. Fachtagung Leasing und Kreditwirtschaft wurde Thomas Happel, Leiter der BaFin-Abteilung zur Aufsicht über Bausparkassen, Privatbanken und Leasing, zu Stärken und Herausforderung der Leasing-Branche sowie noch zu erledigenden „Hausaufgaben” der Gesellschaften befragt.

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