Editorial

Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen und der Blick richtet sich nach vorn. Wie wird sich 2016 entwickeln - in Deutschland, in Europa, in der Welt? Ein Erlöschen der Krisenherde in Nahost ist nicht in Sicht, die geopolitischen Risiken bestehen fort, der Flüchtlingsstrom nach Deutschland reißt nicht ab und Politik und Gesellschaft müssen die damit anstehenden Herausforderungen bewältigen. In dieser Situation blicken die deutschen Mittelständler mit verhaltenem Optimismus auf das kommende Jahr. Das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt, dass sich die Geschäftserwartung der kleinen und mittleren Unternehmen verbessert hat. Die Investitionsstimmung hellt sich nach wie vor nicht entscheidend auf. Investitionen sind jedoch maßgebend für nachhaltiges Wachstum. Nach der Prognose der Wirtschaftsinstitute sollen die Ausrüstungsinvestitionen im nächsten Jahr um gut drei Prozent wachsen. Viel zu wenig, wie Experten beurteilen. Das erwartete Wachstum wird keinen substantiellen Anstieg der Investitionsquote bewirken und reicht nicht aus, um den Kapitalstock dauerhaft modern zu halten.

Auch für die Leasing-Wirtschaft sind große Wachstumssprünge im nächsten Jahr nicht zu erwarten. Das laufende Jahr kann die Branche mit einem Neugeschäft von rund 59 Mrd. Euro und einem Plus von vier Prozent erfolgreich abschließen. Dies zeigt, dass Leasing unverändert attraktiv und gefragt ist. Aber die Leasing-Wirtschaft atmet mit der Konjunktur. Wir werden voraussichtlich in ihrem Fahrwasser wachsen und rechnen 2016 mit einem Plus fürs Mobilien-Leasing von drei bis vier Prozent. Wachstumspotenzial ergibt sich u.a. durch Industrie 4.0. Jedoch ist hierbei ein Umdenken gefragt, denn Industrie 4.0 ändert den Investitionsbegriff: Weg von „harten Investitionen“ hin zu Prozessen und „weichen Investitionen“ in Software und Patente. Hier können die Leasing-Unternehmen mit ihrer Expertise punkten. Notwendig dafür sind jedoch klare Rahmenbedingungen und technische Standards.

Bevor wir ins neue Jahr starten, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern des Newsletters frohe Weihnachtstage mit Zeit zum Durchatmen und Energie tanken, um die Herausforderungen des nächsten Jahres anpacken zu können.

Ihr Horst Fittler,
BDL-Hauptgeschäftsführer

Ifo Investitionsindikator: Zunahme in 2016 mit abgeschwächter Dynamik

Die Ausrüstungsinvestitionen werden voraussichtlich in den ersten drei Quartalen 2016 weiter zunehmen, jedoch mit abgeschwächter Dynamik. Dies zeigt der auf den Geschäftslagebeurteilungen der Leasing-Gesellschaften basierende Investitionsindikator, den das ifo Institut und der BDL gemeinsam ermitteln. Für 2015 signalisiert der Indikator einen Anstieg von 3,8 Prozent. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres beliefen sich die Zuwächse auf über vier Prozent, für das Schlussquartal zeigt der Indikator hingegen nur noch ein Plus von 2,1 Prozent an.

Der wenig optimistische Ausblick spiegelt sich auch im Geschäftsklima Mobilien-Leasing wider, das sich im November gegenüber dem Vormonat stark abgekühlt hat. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage hat sich gegenüber Oktober leicht verbessert. Ursache für die starke Abkühlung ist der Einbruch der Geschäftserwartungen der Leasing-Unternehmen für die nächsten sechs Monate.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) urteilt in seinem Konjunkturbarometer von November, dass sich die Investitionen in Deutschland „alles in allem weiterhin schwach“ entwickeln. „Das verarbeitende Gewerbe kommt nach wie vor nur schwerfällig in Gang“, urteilt  DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. „Zwar hat sich die Stimmung vor allem in den exportabhängigen Bereichen zuletzt aufgehellt, allerdings ist die Industrieproduktion in Deutschland rückläufig.“

Zum Leasing-Geschäftsklima und Ifo Investitionsindikator 
Zum DIW-Konjunkturbarometer

Leasing-Branche 2015 erfolgreich: 59 Mrd. Euro in die deutsche Wirtschaft investiert

Die Leasing-Wirtschaft realisierte 2015 in Deutschland Investitionen in Immobilien, Maschinen, Fahrzeuge, IT-Equipment und andere Wirtschaftsgüter in Höhe von 59 Mrd. Euro, davon 52,21 Mrd. Euro mittels Leasing (+3 Prozent) und 6,7 Mrd. Euro mittels Mietkauf (+12 Prozent). Das Leasing-Neugeschäft mit Ausrüstungsgütern stieg um 4,1 Prozent. „Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Angesichts der Niedrigzinssituation, dem starken Anteil der Innenfinanzierung und der nach wie vor großen Investitionszurückhaltung der Unternehmen sind wir mit dem Neugeschäft sehr zufrieden“, erklärt Martin Mudersbach, Präsident des BDL.

Treiber des Wachstums war vor allem das Fahrzeug-Leasing, das mit Pkw und Nutzfahrzeugen einen Anteil von 74 Prozent am Leasing-Neugeschäft hält. Es wächst 2015 um sechs Prozent. Das zweitstärkste Segment, das Maschinen-Leasing, stieg um vier Prozent. „Das Neugeschäft mit Maschinen startete vielversprechend ins Jahr, jedoch flachte die Entwicklung immer stärker ab und spiegelt damit die Auftragslage im Maschinen- und Anlagenbau wider“, führt Mudersbach aus. Enttäuschend entwickelt sich das Leasing von Computern, Servern und IT-Ausstattungen. Nach einem bereits schwachen vergangenen Jahr verzeichnet das IT-Leasing 2015 einen erneuten Rückgang (-2 Prozent). „IT-Investitionen sind ein Seismograph für die Stimmungslage der Wirtschaft. Denn in unsicheren Zeiten stellen Unternehmen erfahrungsgemäß als Erstes Neuanschaffungen in die IT zurück“, kommentiert der BDL-Präsident. Auch das Immobilien-Leasing verliert. Das Neugeschäft mit Büro-, Geschäfts- und Produktionsgebäuden belief sich auf 1,21 Mrd. Euro (-29 Prozent).

Weitere Informationen zum Neugeschäft 2015 
Präsentation der Marktentwicklung (PDF-Datei)

Wachstumspotenzial durch Industrie 4.0

Erhebliches Wachstumspotenzial sieht die Leasing-Wirtschaft durch Industrie 4.0. Hier stehen enorme Investitionen an, um Deutschlands Position als Leitanbieter von Industrie 4.0-Technologien zu sichern. Experten schätzen bis 2020 ein jährliches Investitionsvolumen der deutschen Industrie von 40 Mrd. Euro. Doch Investitionen in Industrie 4.0 stellen auch eine Herausforderung dar, denn der Investitionsbegriff verändert sich gänzlich. Es geht nicht mehr nur um klassische Anlageninvestitionen, sondern verstärkt um innovative Prozesse, die finanziert werden müssen. Investitionen in immaterielle Werte wie Software und Patente gewinnen an Bedeutung. „Die Leasing-Branche ist prädestiniert, diese Investitionen zu realisieren“, erläutert BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler. „Denn in den Gesellschaften arbeiten Ingenieure, die mit ihrem Know-how die neuen Prozesse und Geschäftsmodelle bewerten und begleiten können.“

Industrie 4.0 revolutioniert nicht nur die Produktion, sondern die gesamte Wirtschaft. Fittler: „Viele Unternehmen vermissen derzeit noch Finanzierungsmodelle, um ihren Kapitaleinsatz zu minimieren. Die Leasing-Branche kann hier mit maßgeschneiderten Lösungen unterstützen.“ Die Branche braucht jedoch klare Rahmenbedingungen. „In puncto Datenschutz, Urheberrecht, Haftungs- oder steuerlichen Fragen muss Klarheit geschaffen werden“, fordert Fittler.

In den digitalisierten Prozessen werden Unmengen an Daten gesammelt und ausgewertet. Die Analyse kann dabei helfen, optimierte Services anzubieten. „Wer ist der Eigentümer der Daten, wer darf darüber wie verfügen und wer haftet bei Missbrauch oder Analysefehlern?“, sind nur einige Fragen, die sich grundlegend neu stellen. Neben dem Rechtsrahmen müsse der Gesetzgeber nicht zuletzt für entsprechende technische Standards und Normen sorgen. Diese seien entscheidend für die Industrie, erleichterten aber auch der Leasing-Wirtschaft die Wiederverwertung. 

Weitere Informationen zu Industrie 4.0 (PDF-Datei) 

Video-Statements: BDL-Präsident zum Neugeschäft 2015 und Industrie 4.0

BDL-Präsident Martin Mudersbach äußert sich in einem Video-Statement zum Leasing-Geschäft 2015 und gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr.  In einem zweiten Beitrag beschreibt er die Chancen und Herausforderungen durch Industrie 4.0 für die Branche. Die Videos stehen auf der BDL-Website und auf dem BDL-YouTube-Kanal zur Verfügung.

Zu den Videos auf der BDL-Website 
Zum BDL-YouTube-Kanal

Erstes Halbjahr 2015: Europäischer Leasing-Markt wächst um neun Prozent

Der europäische Leasing-Markt wächst im ersten Halbjahr nach Angaben der Leaseurope um 9,2 Prozent auf 140,5 Mrd. Euro. Wie im deutschen Markt ist das Fahrzeug-Leasing in Europa ein entscheidender Treiber des Wachstums. Das Fahrzeugsegment verzeichnet in den ersten sechs Monaten ein Plus von 11,5 Prozent. Das übrige Mobilien-Leasing wuchs um 2,9 Prozent, während das Immobilien-Leasing ein stabiles Wachstum von 1,2 Prozent verzeichnet.

Leaseurope-Statistik "Biannual Survey" (PDF-Datei)

Neuer Geschäftsführer der Leaseurope

Leon Dhaene ist neuer Director General der europäischen Dachorganisation Leaseurope. Der Belgier verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Finanzdienstleistungsbranche, u. a. hatte er Management-Positionen in Unternehmen wie IBM und Mastercard International inne. Leon Dhaene nimmt zugleich die Position des Director General der Schwesterorganisation Eurofinas ein.

Weitere Informationen

BDL eröffnet Büro in Brüssel

Der BDL hat zum 1. Dezember ein Büro in Brüssel eröffnet. „An Brüssel kommt keiner mehr vorbei. Die europäischen Institutionen haben bereits seit langem einen maßgeblichen Einfluss auf die nationale Gesetzgebung“, erläutert BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler. Dies gelte nicht zuletzt für zahlreiche regulatorische Maßnahmen. „Eine Repräsentanz vor Ort erleichtert somit proaktives Handeln. Mit Anja Patricia Gruhn haben wir eine langjährig in Brüssel tätige und erfahrene Lobbyistin als Ständige Vertreterin des BDL gewonnen.“

Das Büro ist im Haus von Eurochambres – dem Dachverband der europäischen Kammerorganisationen – angesiedelt. „Dies ist auch ein Signal an die Politik, wie stark sich die Leasing-Wirtschaft der Realwirtschaft zugehörig fühlt“, kommentiert Fittler den Bürostandort.  

Neuer Mitarbeiter in Berliner Geschäftsstelle

Seit 1. Dezember verstärkt  ein neuer  Mitarbeiter den Bereich Betriebswirtschaft und Finanzierung in der Berliner BDL-Geschäftsstelle. Harry Marschke verfügt über langjährige Erfahrungen in der Verbandsarbeit und in Finanzierungsthemen. Mit seinem Start wird das Ausscheiden von Dr. Johannes Sczech eingeläutet, der nach 25 Jahren Tätigkeit den BDL im Frühjahr 2016 in den Ruhestand verlässt.  

Die BDL-Mitarbeiter in Berlin und Brüssel

BDL kommuniziert auf Twitter

Unter dem Account @LeasingVerband kommuniziert der BDL seit einigen Wochen auf dem Microblogging Dienst „Twitter“: In 140 Zeichen informiert und diskutiert der BDL über Nachrichten aus der Leasing-Wirtschaft sowie aus den Themenbereichen Mittelstand, Investitionen und Finanzierung.

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Frohe Festtage und einen guten Start ins neue Jahr 2016