Editorial

Die Leasing-Wirtschaft blickt zum Ausklang des Jahres auf ein Rekordjahr zurück. Das Neugeschäft steigerte sich 2016 um neun Prozent auf 64,2 Mrd. Euro. Leasing boomt, während sich die Ausrüstungsinvestitionen nur verhalten entwickeln. Treiber des Wachstums ist vor allem das Fahrzeugleasing, das sich dynamischer entwickelt als die Neuzulassungen. Aber auch in anderen Segmenten gewinnt die Branche in diesem Jahr weitere Marktanteile. Entsprechend steigert sich die Mobilien-Leasingquote auf 24 Prozent und erreicht damit den höchsten Wert in der über 50-jährigen Geschichte des Leasing in Deutschland.

Doch auch wenn die Leasing-Branche mit diesem Jahr vollauf zufrieden sein kann, bereitet uns die generelle Investitionsentwicklung in Deutschland Sorgen. Trotz konjunkturellen Aufschwungs nehmen die Unternehmensinvestitionen nicht richtig Fahrt auf. In den Prognosen für 2017 gehen die Ökonomen von einem Plus der Ausrüstungsinvestitionen unter zwei Prozent aus. Dies ist eindeutig zu wenig. Zumal der Ausgang der US-Wahl, der Brexit und die nach wie vor bestehenden geopolitischen Risiken die Investitionszurückhaltung der Unternehmen eher noch verstärken. Auch die Expertenkommission zur "Stärkung der Investitionen in Deutschland" hält die bisherigen Schritte der Bundesregierung noch für unzureichend, um den milliardenschweren Investitionsstau in Deutschland aufzulösen. Die Experten mahnen Handlungsbedarf an.

Ebenso belasten die langanhaltend niedrigen Zinsen die Leasing-Gesellschaften bei der Ertrags- und Kostenentwicklung. Die Branche ist ein wichtiger, wenn nicht sogar der wichtigste Investitionspartner der Wirtschaft, sie darf nicht beeinträchtigt werden. Angesichts dessen und mit einem Rekordjahr im Rücken schätzen wir die Aussichten für 2017 eher verhalten optimistisch ein und rechnen mit einem Wachstum von zwei bis drei Prozent.

Bevor wir das neue Jahr beginnen, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern der LEASINGNEWS - auch angesichts des schrecklichen und feigen Attentats - ein hoffentlich friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2017.

Ihr
Horst Fittler
Hauptgeschäftsführer

Leasing-Rekordjahr 2016

Das Neugeschäft der Leasing-Wirtschaft bricht in diesem Jahr Rekorde: Die Leasing-Gesellschaften realisieren 2016 für ihre Kunden in Deutschland Investitionen in Höhe von 64,2 Mrd. Euro (+ 9 Prozent). Den Löwenanteil davon macht das Mobilien-Leasing aus, das auf 55,1 Mrd. Euro wächst (+7 Prozent). Die gesamtwirtschaftlichen Ausrüstungsinvestitionen steigen voraussichtlich nur um 2 Prozent. Der Leasing-Anteil an den Ausrüstungsinvestitionen wächst auf 24 Prozent.

Neugeschäft der Leasing-Wirtschaft 2016

Leasing-Geschäftsklima kühlt sich ab

Das ifo Geschäftsklima Mobilien-Leasing hat sich im November und Dezember abgekühlt. Während die Leasing-Gesellschaften ihre aktuelle Lage weiterhin gut einschätzten, haben sich die Erwartungen für die Geschäftsentwicklung der nächsten sechs Monate deutlich verschlechtert.

Im Dezember fielen die Erwartungen erneut - nach einem bereits starken Rückgang im November. Die Leasing-Gesellschaften schätzen somit ihre Geschäftsaussichten für die nächsten Monate so pessimistisch ein wie zuletzt 2012. Dagegen zeigt sich die deutsche Wirtschaft insgesamt kurz vor Weihnachten in festlicher Stimmung. Laut ifo Konjunkturtest Dezember waren die Unternehmen erneut zufriedener mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Auch der Ausblick auf das erste Halbjahr 2017 fiel leicht optimistischer aus. 

Das ifo Institut errechnet das Geschäftsklima Mobilien-Leasing aus den Meldungen der Leasing-Gesellschaften zur gegenwärtigen und der in den nächsten sechs Monaten erwarteten Geschäftslage.

Zum Geschäftsklima Mobilien-Leasing

Fahrzeugleasing wächst um 9 Prozent

Ein besonderer Treiber des Leasing-Wachstums 2016 ist das Fahrzeugleasing, das mit Pkw und Nutzfahrzeugen einen Anteil von 75 Prozent am Leasing-Markt hält. An der positiven Automobilkonjunktur partizipiert die Leasing-Wirtschaft überproportional und gewinnt weitere Marktanteile. Rund 40 Prozent aller Kfz-Neuzulassungen sind inzwischen geleast. Das Fahrzeugleasing verzeichnet 2016 ein Plus von 9 Prozent, auch das Neugeschäft mit privaten Kunden wächst um 11 Prozent.

Ebenfalls ausbauen werden die Leasing-Unternehmen in diesem Jahr ihre Anteile im Maschinensektor. Das Neugeschäft des zweitstärksten Leasing-Segments steigt um 5 Prozent. Im ersten Halbjahr erzielte das Maschinenleasing sogar eine zweistellige Wachstumsrate, verlor aber im weiteren Jahresverlauf an Schwung. Es wächst jedoch dynamischer als der Maschinenbau, denn laut Branchenverband VDMA stagnierten die Auftragseingänge in diesem Jahr.

Entwicklungen des Leasing-Marktes 2016

Pkw-Markt 2016 mit 3,36 Mio. Neuzulassungen

2016 war ein Autojahr. Das Wachstum des Pkw-Markts in Deutschland wird voraussichtlich 4,8 Prozent betragen und damit deutlich höher ausfallen als erwartet. Mit 3,36 Millionen neu zugelassenen Fahrzeugen erreicht der Automarkt das beste Ergebnis seit dem Umweltprämienjahr 2009, meldet der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller e.V. (VDIK) und urteilt: „Die gute Marktentwicklung steht mit deutlichen Zuwächsen sowohl im Privat- als auch im Flottenmarkt auf soliden Füßen.“

Der Privatmarkt wächst um annähernd 7  Prozent auf 1,17 Millionen und befindet sich damit erstmals seit Jahren wieder auf einem positiven Trend. Der Flottenmarkt erreicht mit rund 830.000 Zulassungen ein neues Rekordniveau und steigert sich um 5,5 Prozent. Nach Angaben des VDIK wächst auch der Nutzfahrzeugmarkt 2016 und zwar um 6 Prozent auf über 355.000 Neuzulassungen.

Für 2017 geht der VDIK davon aus, dass das Zulassungsvolumen beider Märkte stabil auf vergleichbarem Niveau liegen wird.

Weitere Informationen 

IT-Investitionen: Wende dringend notwendig

Enttäuschend entwickelte sich 2016 das Leasing von Büromaschinen, Computern, Servern und IT-Ausstattungen. Nach einer Stagnation im vergangenen Jahr verzeichnet das Segment 2016 einen deutlichen Rückgang von 10 Prozent. Dies spiegelt die Investitionsentwicklung im IT-Bereich der Gesamtwirtschaft wider. Hier müsse 2017 dringend eine Wende kommen, kommentierte Arno Städtler vom ifo Institut auf der jüngsten Jahrespressekonferenz des BDL.

BDL-Forum Digitalisierung zeigt Aufbruchsstimmung

Die Leasing-Wirtschaft befindet sich in Aufbruchsstimmung, den digitalen Wandel mitzugestalten und in den Leasing-Unternehmen weiter umzusetzen. Dies zeigte das BDL-Forum Digitalisierung am 18. Oktober 2016 in Berlin. Über 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erörterten die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft und die daraus resultierenden Konsequenzen für das eigene unternehmerische Handeln.

Stefan Schnorr vom Bundeswirtschaftsministerium stellte die "Digitale Strategie 2015" seines Ministeriums vor. Erfahrungsberichte von BDL-Mitgliedsgesellschaften gaben Einblicke in aktuelle digitale Projekte und in die Kooperation mit FinTechs; praktische Hinweise für ein Self-Assessment und zur Entwicklung von Digitalstrategien im Leasing ergänzten das Programm. Auf der abschließenden Podiumsdiskussion erörterten Leasing-Experten Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für die mittelständisch geprägte Leasing-Branche.

Filmbericht und Tagungsbericht zum Forum Digitalisierung 

Mittelstandsstudien: Von Top-Stimmung bis zu verhaltenem Optimismus

Die deutsche Wirtschaft zeigt sich nach dem aktuellen KfW-ifo-Mittelstandsbarometer im November nur mäßig beeindruckt von der Wahl Trumps zum US-Präsidenten. Die Stimmung der deutschen Exportwirtschaft wird zwar durch die Gefahren einer nationalen Abschottung und mehr Protektionismus belastet, der deutsche Aufschwung scheint jedoch vorerst nicht beeinträchtigt. So gibt das mittelständische Geschäftsklima, nach zwei insgesamt sehr starken Anstiegen in den Monaten zuvor, aktuell nur moderat nach. In bester Stimmung sieht auch die Mittelstandsstudie von BVR und DZ Bank aktuell den deutschen Mittelstand.

Die Unterteilung des Geschäftsklimas nach Branchen deckt eine besondere Empfindlichkeit der Industrieunternehmen im Hinblick auf den US-Wahlausgang auf. Die exportstarke deutsche Industrie ist so stark wie kein anderer Wirtschaftsbereich auf offene Grenzen angewiesen, urteilen die KfW-Experten. Jedoch ist im Mittelstand das verarbeitende Gewerbe die einzige Branche mit einer negativen Stimmungsentwicklung. Unter den Großunternehmen verschlechtert sich das Geschäftsklima hingegen sowohl in der Industrie als auch im Großhandel. „Gerade die großen Firmen unter den Großhändlern arbeiten besonders intensiv an der Schnittstelle von nationalen und internationalen Märkten und wären daher zusammen mit der Industrie am stärksten von mehr Protektionismus und nationaler Abschottung betroffen“, analysiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Weiterhin hervorragend ist nach den Ergebnissen des Mittelstandsbarometers die Stimmung der Unternehmen beider Größenklassen in den Binnenbranchen Bau und Einzelhandel.

In bester Stimmung zeigen sich kleine und mittlere Unternehmen nach der Studie von BVR und DZ BANK "Mittelstand im Mittelpunkt". Die Geschäftslage hat sich verbessert, das Engagement im Auslandsgeschäft legt weiter zu und die Brexit-Sorgen lassen etwas nach. Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate haben sich zwar leicht eingetrübt, bleiben aber immer noch auf einem hohen Niveau. 

Die Studie attestiert den Mittelständlern eine grundsätzlich hohe Investitionsneigung. So wollen 80 Prozent in den nächsten sechs Monaten in ihr Unternehmen investieren. Jedoch haben sich die Absichten hinsichtlich des Investitionsvolumens geändert: Während im Frühjahr noch ca. 30 Prozent der Befragten ihr Investitionsvolumen erhöhen wollten, ist es aktuell nur noch rund ein Viertel. 

Das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer ist abrufbar unter www.kfw.de/mittelstandsbarometer.

Die BVR und DZ-Bank Studie steht als Download unter www.mittelstandsstudie.de zur Verfügung. 

Neue Mitglieder im BDL-Vorstand

Marion Schäfer, Miller Leasing Miete GmbH, und Hubert Spechtenhauser, UniCredit Leasing GmbH, wurden auf der 31. Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) Mitte November einstimmig in den Vorstand des BDL gewählt. Sie folgen damit auf Frederik Linthout, IKB Leasing GmbH, und Dr. Martin Starck, LBBW Leasing GmbH, die aus dem Vorstand ausgeschieden sind.

Der BDL-Vorstand

Leaseurope mit neuer Präsidentin

Die Französin Marie-Christine Ducholet, CEO Societe Generale Equipment Finance, ist auf der Annual Convention im Oktober zur neuen Präsidentin der Leaseurope, der europäischen Dachorganisation der Leasing-Wirtschaft, ernannt worden. Ihre Stellvertreter sind Pierre-Louis Colin, CEO Fraikin Group, und Morten Guldhaug, Executive Vice President DNB. Für den BDL ist Hubert Spechtenhauser, Geschäftsführer der UniCredit Leasing GmbH, Mitglied des Leaseurope-Boards.

Die weiteren Mitglieder des Boards sind:

  • George Ashworth, UK Managing Director Asset Finance, Santander
  • Patrick Beselaere, Global Head, ING Lease - Europe
  • Vahid Daemi, Advisor to the Managing Board, LeasePlan Corporation
  • Enrico Duranti, CEO, Iccrea BancaImpresa
  • Paulo Pinheiro, President of the Executive Committee, Caixa Leasing e Factoring
  • Khaled Shahbo, UK Managing Director, Enterprise Rent-a-car
  • Alexander Schmidecker, CEO, Raiffeisen Leasing
  • Mieczysław Woźniak, CEO & President, mLeasing

Die Leaseurope mit Sitz in Brüssel vertritt 47 nationale Leasing- und Autovermieter-Verbände aus 34 Ländern.

Weitere Informationen zum Board

Frohe Festtage!

Das BDL-Team wünscht allen Leserinnen und Lesern der LEASINGNEWS ein friedliches Weihnachtsfest und viel Erfolg im neuen Jahr!