Editorial

Die deutsche Wirtschaft geht beschwingt in den Frühling, die Stimmung in den Chefetagen verbessert sich zusehends, es herrscht Konjunkturoptimismus – so beschreiben die Wirtschaftsinstitute aktuell die Stimmungslage der Unternehmen in Deutschland. Ihr Fazit: Der Aufschwung gewinnt an Kraft und Breite. Die bekannten Risikofaktoren - Brexit, drohender US-Protektionismus, geopolitische Risiken - bestehen zwar fort, scheinen aber der Stimmung noch keinen nennenswerten Abbruch zu tun.

Jedoch schlägt sich die gute Stimmungslage nach wie vor nicht in Investitionen nieder. Dabei sollten Ausrüstungsinvestitionen das Fundament bilden, das das Wirtschaftswachstum dauerhaft trägt. Bereits im vergangenen Jahr entwickelten sich die Investitionen in Maschinen, Geräte, Anlagen und IT nur verhalten. Auch im ersten Quartal wuchsen die Ausrüstungsinvestitionen nur um ein gutes Prozent. Das Wachstum im laufenden Jahr soll sich laut Sachverständigenrat wieder in dieser Größenordnung bewegen. Dafür spricht auch das aktuelle Geschäftsklima Mobilien-Leasing, das sich im März deutlich abgekühlt hat.  

Gleichzeitig wachsen die Auslandsinvestitionen der deutschen Industrieunternehmen an, wie eine DIHK-Umfrage belegt. Fast jedes zweite Industrieunternehmen (47 Prozent) will im Ausland investieren, ein Allzeithoch seit Beginn der Umfrage 1995. Zudem steigen auch die Budgets der Investitionen im Vergleich zum Vorjahr an. In ihrer aktuellen Konjunkturprognose fordern die Wirtschaftsweisen die Wirtschaftspolitik auf, sich zu fragen, warum deutsche Unternehmen so stark im Ausland investieren und mit welchen Investitionsanreizen im Inland man dagegen setzen kann.

Die Leasing-Wirtschaft als Experte für Investitionen sieht nach wie vor als schnell wirksamen Investitionsanreiz die unbefristete Wiedereinführung der degressiven AfA an. Diese Auffassung teilen auch andere Wirtschaftsverbände, zuletzt der VDMA, sowie namhafte Ökonomen. Die degressive AfA spiegelt zudem den tatsächlichen Wertverlust einer Investition wider, trägt dem sehr hohen Innovationstempo Rechnung, verteilt die Kosten realistischer auf die Nutzungsdauer und gibt somit schnellere Liquidität für neue Investitionen zurück. Wir appellieren daher an die Politik, entsprechend tätig zu werden – auch in Hinblick auf die notwendigen Investitionen in die Digitalisierung. 

Ein frohes Osterfest wünscht

Ihr
Horst Fittler,
BDL-Hauptgeschäftsführer

Geschäftsklima Mobilien-Leasing kühlt ab

Das Geschäftsklima Mobilien-Leasing hat sich im März erstmals wieder deutlich abgekühlt, nachdem es seit Jahreswende monatlich angestiegen war. Vor allem die aktuelle Lage beurteilen die Leasing-Gesellschaften im Vergleich zum Februar deutlich schlechter, aber auch die Aussichten für die nächsten sechs Monate werden pessimistischer als im Vormonat eingeschätzt.

Während der ifo Geschäftsklimaindex die deutsche Wirtschaft in Hochstimmung zeigt, ist die Stimmung in der Leasing-Wirtschaft zurückhaltend. „Dies ist ein Anzeichen dafür, dass sich die gute Stimmung in den Unternehmen nicht in notwendige Investitionen niederschlägt“, erläutert Horst Fittler, BDL-Hauptgeschäftsführer. Auch der Sachverständigenrat prognostizierte für das laufende Jahr nur eine geringe Steigerung der Ausrüstungsinvestitionen von 1,2 Prozent. Die Wirtschaftsweisen forderten die Politik auf, die Attraktivität des Investitionsstandorts Deutschland zu erhöhen.

Zum Geschäftsklima Mobilien-Leasing

Leasing immer beliebter

Leasing wird immer beliebter. Dies zeigt sich vor allem bei den Neuzulassungen von Fahrzeugen. Nach den jüngsten Erhebungen des ifo Instituts wurden im vergangenen Jahr 39,4 Prozent aller neu zugelassenen Straßenfahrzeuge mittels Leasing angeschafft. 2015 waren es 38,6 Prozent. Da gewerbliche Kunden den Löwenanteil der Leasing-Nutzer darstellen und diese Mittel- und Oberklassefahrzeuge bevorzugen, ist der Leasing-Anteil nach Anschaffungswert deutlich höher und beträgt sogar 67, 6 Prozent (2015: 65,8 Prozent). Das Fahrzeugleasing dominiert das Leasing-Geschäft und machte 2016 über 70 Prozent des Neugeschäftsvolumens aus. „Beim Fahrzeugleasing spielt nicht nur die Planungssicherheit eine wichtige Rolle, sondern auch die von den Leasing-Gesellschaften angebotenen Servicepakete“, erklärt Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des BDL. Services wie Wartung, Schadensmanagement oder eine Mobilitätsgarantie geben für viele Kunden sogar den Ausschlag, ihr Fahrzeug mittels Leasing anzuschaffen.

Ebenfalls gestiegen, wenn auch mit eher moderater Dynamik, sind die Leasing-Quoten im Maschinenbau (8,4 Prozent) und im Bereich Elektro-, Nachrichten- und Medizintechnik (7,2 Prozent). „Der Maschinenbau erlebte 2016 laut Branchenverband VDMA ein durchwachsenes Jahr bei zurückgehenden Auftragseingängen. Wenn Unternehmen in Maschinen investiert haben, nutzten sie dafür verstärkt Leasing“, berichtet Fittler. Die Leasing-Wirtschaft verzeichnete 2016 ein Rekordjahr mit einem Wachstum von 9 Prozent.

Gegenläufig zu dieser positiven Entwicklung zeigte sich das Segment Büro- und EDV-Equipment. Hier fiel die Leasing-Quote von 11,4 Prozent in 2015 auf 10,1 Prozent im vergangenen Jahr. „Insgesamt wird viel zu wenig in die EDV investiert“, kritisiert der BDL-Hauptgeschäftsführer. Zudem werde seit geraumer Zeit IT häufig aus dem Cashflow finanziert.

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Höchste Leasing-Quoten im Baugewerbe und Handel

Baugewerbe und Handel sind die Kundengruppen mit den höchsten Leasing-Quoten. Ein Viertel (24,5 Prozent) aller Investitionen des Handels wurden 2016 mittels Leasing angeschafft. Damit stieg die Quote um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 2015. Im Baugewerbe liegt der Leasing-Anteil an den Investitionen bei 53 Prozent. „Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, sollte man hier jedoch berücksichtigen, dass das Baugewerbe nur einen recht geringen Teil seines zur Produktion benötigten Equipments auch als Investitionen in den Bilanzen ausweist“, erläutert Arno Städtler vom ifo Institut, der seit Jahren die Leasing-Quoten berechnet. Um die hohe Leasing-Quote im Bau richtig zu beurteilen, sei ebenfalls zu bedenken, dass die Bauunternehmen nicht nur Baumaschinen und Baustellenequipment leasen, sondern auch IT-Produkte, vereinzelt Bauten und insbesondere in erheblichem Umfang Pkw und Nutzfahrzeuge mit Straßenzulassung, führt Städtler in seiner aktuellen Studie weiter aus.

In den Kundengruppen mit den höchsten Neugeschäftsvolumina, dem Dienstleistungssektor und dem Verarbeitenden Gewerbe, sind die Leasing-Anteile im Vorjahresvergleich gestiegen. Sie liegen bei 13,1 Prozent (2015: 12,6 Prozent) bzw. 15,9 Prozent (15,4 Prozent). Zum Dienstleistungssektor zählen auch die Investitionen der Leasing-Gesellschaften. Wenn man diese ausklammert, so ist der Leasing-Anteil deutlich höher und liegt bei 21 Prozent.

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BDL fordert verkürzte AfA-Zeiten und Aufsicht mit Augenmaß

Mehr Investitionsanreize für Unternehmen in Deutschland und eine Aufsicht mit Augenmaß forderte BDL-Präsident Martin Mudersbach auf dem „Parlamentarischen Frühstück“ vor finanzpolitischen Experten der im Bundestag vertretenen Parteien. „Wir leben von der Substanz, und das wird sich auf Dauer rächen. Denn mit veralteten Maschinenparks kann der Wirtschafts- und Innovationsstandort Deutschland nicht wettbewerbsfähig gehalten werden. Dies gilt insbesondere für das Thema Industrie 4.0.“ Die deutsche Wirtschaft brauche daher einen deutlichen und nachhaltigen Anstieg der öffentlichen und der privaten Investitionen. Industrie 4.0 beschleunige das Innovationstempo. Investitionen müssten steuerlich dem Innovationszyklus angepasst werden. Mudersbach appellierte an die Politik, die Abschreibungszeiten für Software und Anlagegüter zu verkürzen und dem tatsächlichen Wertverlust von Investitionen anzupassen. Kürzere Abschreibungszeiten geben auch schnellere Liquidität für neue Investitionen zurück.  

Die Leasing-Wirtschaft, der größte Investor in Deutschland, benötige Rahmenbedingungen, die das Geschäftsmodell unterstützen und nicht behindern, erläutert Mudersbach. Die Leasing-Gesellschaften, die seit 2008 unter der Aufsicht von BaFin und Bundesbank stehen, brauchen eine „Aufsicht mit Augenmaß“. Das sogenannte Proportionalitätsprinzip sollte es allen Unternehmen - unabhängig von ihrer Größe und ihrem Geschäftsmodell - ermöglichen, die regulatorischen Pflichten zu erfüllen. „Jedoch wird dieses Prinzip besonders auf europäischer Ebene immer mehr aus den Augen verloren. Stattdessen wird auf eine Vereinheitlichung gesetzt, die sich am Geschäftsmodell und den Prozessen großer Banken orientiert. Diese Entwicklung bedroht die Vielfalt des Finanzsektors und mindert dadurch auch dessen Stabilität“, warnte der BDL-Präsident. „Nationale Besonderheiten müssen berücksichtigt werden, damit bewährte Stärken, wie die Heterogenität der Finanzierungslandschaft in Deutschland, erhalten bleiben. Das deutsche Erfolgsmodell darf nicht an dem einheitlichen europäischen Aufsichtsmechanismus scheitern.“

Kundeninsolvenz: Verbesserungen für Leasing-Gesellschaften

Das „Gesetz zur Verbesserung der Rechtssicherheit bei Anfechtungen nach der Insolvenzordnung und dem Anfechtungsgesetz“, das heute in Kraft getreten ist, verspricht wesentliche Verbesserungen für Leasing-Gesellschaften im Falle einer Kundeninsolvenz. So reichen zum Beispiel gängige Zahlungserleichterungen wie Ratenzahlungsvereinbarungen künftig nicht mehr allein als Anknüpfungspunkt des Anfechtungsanspruchs aus. Zudem wurde die Möglichkeit der rückwirkenden Anfechtung für Deckungshandlungen von zehn auf vier Jahre verkürzt.

Aufgrund der in den vergangenen Jahren zu beobachtenden ausufernden Anfechtungspraxis der Insolvenzverwalter hatte sich Anfang 2014 eine Verbändeinitiative unter Federführung des BGA gegründet, der sich auch der BDL angeschlossen hatte. Insbesondere stützten die Insolvenzverwalter - unter Berufung auf die Rechtsprechung - die Vorsatzanfechtungen vermehrt auf Zahlungserleichterungen, die Gläubiger gewährt hatten. Die vorherrschende Praxis hatte somit auch die Leasing-Gesellschaften stark belastet. Denn wenn Leasing-Unternehmen ihre Kunden, die in eine Problemlage geraten waren, durch Stundungsvereinbarungen unterstützt hatten, so drohten ihnen im Falle der Insolvenz des Kunden erhebliche wirtschaftliche Einbußen.

„Das Gesetz greift nun die wesentlichen Kritikpunkte der Verbändeinitiative auf und sorgt für mehr Rechtssicherheit – auch zum Wohle der Leasing-Kunden“, kommentiert BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler. 

BaFin verschiebt Institutsvergütungsverordnung aufs 2. Quartal

Nachdem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Dezember 2016 mitgeteilt hat, dass die Änderungsverordnung zur Institutsvergütungsverordnung voraussichtlich zum 1. März 2017 in Kraft tritt, hat die BaFin über eine weitere Verschiebung auf das zweite Quartal 2017 informiert. Zeitgleich wird die Veröffentlichung der dazugehörigen Auslegungshilfe in Aussicht gestellt.

IMPULS-Studie zur Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau

Die Digitalisierung ist als Zukunftsthema im deutschen Maschinen- und Anlagenbau angekommen – immer mehr Unternehmen nutzen das Potenzial von Industrie 4.0. Nach der IMPULS-Studie „Digital-vernetztes Denken in der Produktion“ hat ein Drittel der befragten Unternehmen eine dezidierte Digitalisierungsstrategie, ein Viertel will in den nächsten drei Jahren eine erarbeiten. Das spiegelt sich auch in den entsprechenden Investitionen und Neueinstellungen. Eine Führungsrolle übernimmt der Maschinen- und Anlagenbau bei der Produktion von digitalen Technologien, ist jedoch bei der Anwendung in der eigenen Produktion zurückhaltend.

Unternehmen zeigen laut Studie breitgefächerte Ansätze wie die Digitalisierung in neue Geschäftsmodelle umgesetzt werden kann. Der Kundennutzen steht dabei stets im Fokus. Zudem ist ein Wandel zu mehr Service und langfristiger Planung über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts zu erkennen. Erfolgversprechende Konzepte basieren oft auf einem breiten Serviceangebot zur optimierten Nutzung während des gesamten Lebenszyklus der Anlage, Maschine oder Komponente. Neue Geschäftsmodelle beruhen häufig auf der kontinuierlichen Beobachtung des eigenen Produkts. "Im Rahmen dieser neuen Geschäftsmodelle listet die Untersuchung auch Leasing auf und nennt als Mehrwert Fixkostenreduktion und Senkung der Finanzierungsrisiken“, zitiert BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler aus der Studie der IMPULS-Stiftung des VDMA. Auch im Zusammenhang mit sogenannten Produkt-Service-Systemen werden Leasing-Konzepte angesprochen. „Digitalisierung, Service und Leasing gehören auch für uns zusammen“, kommentiert Fittler.

Schwerpunkt der IMPULS-Studie ist eine Standortbeschreibung: Wo steht der Maschinen- und Anlagenbau beim digital-vernetzten Denken? Zudem geben die Forscher wertvolle Handlungsempfehlungen für die unternehmerische Praxis. Die Studie analysiert, welche digitalisierten Produkte und Services die Unternehmen selbst entwickeln, welche Schlüsselkompetenzen und Methoden sie dafür benötigen, welche Strategien und Maßnahmen die Unternehmen zum Auf- und Ausbau der notwendigen Kompetenzen für die digitale Vernetzung verfolgen und wie viele ihrer Beschäftigten bereits über die erforderlichen Kompetenzen verfügen. Denn ein zentraler Erfolgsfaktor ist die Qualifikation der Belegschaft mit den erforderlichen Digitalisierungskompetenzen. Jedoch hat sich die Personalentwicklung bislang nur in etwa jedem fünften Unternehmen mit den Herausforderungen der Digitalisierung strategisch auseinandergesetzt, heißt es in der Studie.

Ein Download der Studie ist auf der Website der IMPULS-Stiftung verfügbar: http://www.impuls-stiftung.de/studien