Aufschwung verliert an Fahrt

Der Aufschwung in Deutschland geht in sein sechstes Jahr, büßt jedoch an Dynamik ein. Das geht aus dem Herbstgutachten der Gemeinschaftsdiagnose hervor, das heute in Berlin vorgestellt wurde. Die führenden deutschen Konjunkturforschungsinstitute haben entsprechend ihre Prognosen für das Jahr 2018 und 2019 gesenkt.

„Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft verliert an Fahrt. Die Nachfrage aus dem Ausland ist schwächer geworden, gleichzeitig haben Unternehmen offenbar zunehmend Probleme, genügend Arbeitskräfte für ihre Produktion zu finden“, begründet Roland Döhrn, Konjunkturchef des gastgebenden RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Im laufenden Jahr haben die Produktions- und Lieferschwierigkeiten der Automobilindustrie aufgrund des neuen Modell-Zertifizierungsverfahrens WLTP die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland stark beeinflusst. Für das Schlussquartal prognostizieren die Institute, dass der Automobilsektor seine Schwächen überwindet. „Die Leasing-Wirtschaft hat die Schwierigkeiten der Automobilindustrie gespürt. Das Ende dieser Phase erwartet die Branche daher erwartungsvoll“, erklärt Horst Fittler-BDL-Hauptgeschäftsführer.

Auch die Risiken für die deutsche und die internationale Konjunktur haben zugenommen. Es hat sich gezeigt, dass die US-Regierung ernst macht mit ihren protektionistischen Drohungen. Noch ist Deutschland nicht so stark betroffen; dies ändert sich jedoch drastisch, falls Strafzölle gegen EU-Autos erhoben werden. Weitere Risiken stellen die Entwicklungen in den Schwellenländern Türkei und Argentinien, die Schuldenkrise in Italien sowie der Vollzug des Brexit dar.

Für die kommenden Quartale prognostiziert die Gemeinschaftsdiagnose zwar eine stärkere Steigerung der Ausrüstungsinvestitionen. Allerdings dürften die gestiegene Unsicherheit und ein vermehrter Arbeitskräftemangel einem höheren Expansionstempo entgegenstehen. Hinzu kommt die sich abschwächende gesamtwirtschaftliche Dynamik, so dass die Maschinenparks sich nur verlangsamt ausweiten werden. Die Wirtschaftsforscher rechnen mit einem Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen im laufenden Jahr von voraussichtlich etwa 4,3 Prozent, für 2019 und 2020 mit einer geringeren Dynamik von + 2,9 Prozent bzw. + 3,8 Prozent, kalenderbereinigt um + 2,7 Prozent. „Die prognostizierten Steigerungsraten für die nächsten Jahre stimmen uns noch nicht allzu optimistisch. Das Wachstum reicht nicht aus, um die entstandene Investitionslücke zu schließen und den Kapitalstock modern zu halten“, kommentiert BDL-Hauptgeschäftsführer Fittler. Jetzt gelte es, den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken. Dazu gehörten bessere steuerliche Rahmenbedingungen, wie eine Steuerpolitik, die  Investitionen am Standort Deutschland fördert.

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