Europäische Leasing-Wirtschaft warnt vor Folgen der geplanten IFRS-Leasing-Bilanzierungsreform

Brüssel, 16. Mai 2013 – Die internationalen Standardsetzer International Accounting Standards Board (IASB) und Financial Accounting Standards Board (FASB) haben heute ihren neu gefassten Vorschlag für eine Reform der internationalen Leasing-Bilanzierung nach IFRS vorgelegt. Nach rund zweieinhalb­jähriger Überarbeitung des ursprünglichen Entwurfs, der in der Öffentlichkeit auf heftige Kritik gestoßen war, haben die Betroffenen jetzt erneut Gelegenheit zur Stellungnahme. Das Vorhaben betrifft Vermieter und Mieter sowie Leasing-Geber und Leasing-Nehmer, die nach den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS bilanzieren.

Obwohl die Standardsetzer weiterhin eine Bilanzierung aller mit Miet- und Leasing-Verhältnissen verbundenen Nutzungsrechte und Verbindlichkeiten anstreben („Right-of-Use-Ansatz“), haben sie ihr Reformvorhaben seit der ursprünglichen Vorstellung 2010 erheblich modifiziert. So wurde etwa der Anwendungsbereich des neuen Standards eingeschränkt und eine unterschiedliche Behandlung von  beweglichen Wirtschaftsgütern und Immobilien vorgesehen. 

Die Details des überarbeiteten Reformvorschlags werden jetzt eingehend analysiert und erörtert. Bereits nach einer ersten vorläufigen Bewertung der bisher bekannt gewordenen Inhalte hat die LEASEUROPE, der Dachverband der europäischen Leasing-Wirtschaft, Anlass zu erheblichen Zweifeln an der konzeptionellen Schlüssigkeit und der praktischen Anwendbarkeit des Reformvorschlags. Aus Sicht der Leasing-Branche führt das Vorhaben nicht zu einer verbesserten Finanzberichterstattung, so dass die hohen Kosten für die Einrichtung und laufende Anwendung der komplexen neuen Regelungen nicht zu rechtfertigen sind.

Anlässlich einer Konferenz in Brüssel, auf der Vertreter der europäischen Leasing-Verbände über das Reformvorhaben diskutierten, äußerte sich LEASEUROPE-Generalsekretär Tanguy van de Werve kritisch: „Angesichts der Bestrebungen der europäischen Politik, den Unternehmen den Zugang zu dringend benötigten Investitionsgütern zu erleichtern und dadurch mehr Wachstum zu ermöglichen, kann vor einem Herumdoktern an den bewährten Grundsätzen zur Bilanzierung von Miet- und Leasing-Verhältnissen nur gewarnt werden.“ Sie beruhten auf einem konzeptionell schlüssigen Regelwerk, durch das der jeweilige wirtschaftliche Gehalt  verschiedenartigster Miet- und Leasing-Verhältnisse zutreffend abgebildet werden könne. „Die Spannweite der in Frage kommenden Transaktionen ist extrem breit und reicht von finanzierungsähnlichen Mietkaufgeschäften über die klassische zeitweilige Nutzungsüberlassung bis hin zum kompletten Full-Service-Leasing, das dem Kunden ein vollständiges Outsourcing des gesamten Investitions- und Asset-Management-Prozesses ermöglicht“, so van de Werve weiter. Der Reformvorschlag der Standardsetzer werde dieser Vielfalt hingegen nicht gerecht.

An die europäische Politik und an all diejenigen IFRS-Bilanzierer, die durch Leasing und Miete ihre Versorgung mit Investitionsgütern sicherstellen, appelliert der LEASEUROPE-Generalsekretär: „Bitte nutzen Sie das jetzt beginnende Konsultationsverfahren, um die Standardsetzer auf die Risiken ihres Vorhabens für die europäische Wirtschaft hinzuweisen.“

Autorenhinweis: 
Weitere Informationen zur Position der LEASEUROPE bezüglich des Reformvorhabens sowie Daten zum europäischen Leasing-Markt finden Sie in dem Offenen Brief der LEASEUROPE an das IASB vom Oktober 2012.

Ansprechpartner:

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Über LEASEUROPE:

Als Dachverband vereint die LEASEUROPE insgesamt 44 nationale Verbände der europäischen Leasing- und Automobilvermietungs-Wirtschaft. Das Angebot der von LEASEUROPE vertretenen Unternehmen reicht von Mietkauf über Finanzierungs-Leasing bis zum Operating-Leasing aller Arten von Investitionsgütern (z. B. Fahrzeuge, Maschinen und Anlagen, IT-Equipment, Immobilien) und schließt auch die kurz- und langfristige Vermietung von Pkw und Lkw mit ein. Der von LEASEUROPE repräsentierte Anteil am europäischen Leasing-Markt wird auf 92 % geschätzt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.leaseurope.org.


Über den BUNDESVERBAND DEUTSCHER LEASING-UNTERNEHMEN e. V. (BDL):

Der BDL vertritt als einziger Verband die Interessen der Leasing-Wirtschaft in Deutschland. Seine rund 185 Mitgliedsgesellschaften repräsentieren über 90 % des Gesamtmarktvolumens. Die Struktur der Leasing-Branche in Deutschland ist vielschichtig. Den Markt teilen sich große, meist auch international tätige Gesellschaften und eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Leasing-Unternehmen. Derzeit sind in Deutschland Wirtschaftsgüter im Wert von weit über 200 Mrd. Euro verleast. Mit einem Neugeschäftsvolumen von knapp 50 Mrd. Euro ist die Branche der größte Investor in Deutschland. Leasing ist in fast allen Wirtschaftszweigen präsent. Der Kundenkreis reicht vom Einzelhändler über den Mittelständler bis zum internationalen Konzern.

Weitere Informationen finden Sie unter www.leasingverband.de.