25. Forum Mittelstand im Zeichen des Handwerks
Leasing und Handwerk – zwei starke Partner
Das 25. Forum Mittelstand des BDL stand im Zeichen von Leasing und Handwerk. BDL-Vizepräsident Thomas Kolvenbach eröffnete die Veranstaltung am 26. März 2026 im Berliner Haus des Handwerks des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) mit einem kurzen Überblick über die konjunkturelle Lage in Deutschland: Die Unternehmensinvestitionen liegen derzeit 11 Prozent unter dem Niveau von 2019. Der Kapitalstock veraltet. Die Bürokratie frisst die Zeit, die Betriebe für Kunden und Investitionen bräuchten. Kolvenbachs Befund: „Deutschland hat kein Finanzierungsproblem. Es hat ein Investitionsproblem."
Dass Leasing Teil der Antwort sein kann, belegte er mit Zahlen: 83 Milliarden Euro Investitionen hat die Branche 2025 ermöglicht, mehr als ein Viertel aller Ausrüstungsinvestitionen in Deutschland. Die Leasing-Quote ist vergangenes Jahr weiter gestiegen: In unsicheren Zeiten greifen Unternehmen häufiger zu Leasing, genauso wie bei Investitionen in innovative Technologien. Zwei von drei neuen Elektroautos kommen inzwischen über Leasing auf die Straße.
Handwerk: Potenzial noch nicht ausgeschöpft
Ein Schwerpunkt des Forums war die Zusammenarbeit zwischen Leasing-Branche und Handwerk, eine Partnerschaft, die der BDL gemeinsam mit dem ZDH stärken will. Rund eine Million Handwerksbetriebe investieren in Fahrzeuge, Maschinen, digitale Ausstattung und klimafreundliche Technologien. Doch nur knapp ein Fünftel der Betriebe nutzt Leasing bisher für außenfinanzierte Investitionen in energie- und ressourcenschonende Technologien.
Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH, begrüßte die Teilnehmenden und benannte die Voraussetzungen für mehr Investitionen im Handwerk direkt: „Handwerksbetriebe wollen investieren. Aber sie brauchen dafür verlässliche Bedingungen: vor allem weniger Bürokratie und Dokumentationspflichten, weniger Abgaben sowie Förderprogramme, die praxistauglich sind." Staatliche Förderinstrumente müssten dabei alle Finanzierungsformen berücksichtigen, Leasing eingeschlossen.
Leasing bietet mehr als Finanzierung
BDL-Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Conen stellte Umfrageergebnisse vor, die zeigen, wie Handwerksbetriebe Investitionen realisieren und wie sie Leasing aktuell nutzen. Bei außenfinanzierten Investitionen steht Leasing nach Kredit und Fördermitteln erst an dritter Stelle. Die Finanzierung von nachhaltigen Investitionen stemmen Handwerksbetriebe meist aus Eigenmitteln.
Neben der Vielfalt der Investitionsobjekte bietet die Branche auch für andere Herausforderungen der Handwerksbetriebe Angebote und Lösungen.
Podiumsdiskussion
In der Podiumsdiskussion diskutierten (v.l.) Dr. Constantin Terton (ZDH), Gilles Christ (grenke), Dr. Christian Glaser (WOLFFKRAN FINANCE), Dr. Jan Herzog (Herzog Leasing) und Peter Schorn (HHL Hamburg Leasing), wie Leasing-Gesellschaften das Handwerk konkret unterstützen können. Leasing müsse vor allem schnell, einfach und verlässlich sein. Die Runde zeigte: Die Voraussetzungen für eine engere Zusammenarbeit sind vorhanden. Die Herausforderung ist eher Kommunikation zu Leasing und den Vorteilen. Hier können Fachverbände des Handwerks einen direkten Zugang bieten.
Förderpolitik – es geht voran
Dr. Sebastian Duwe vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Referat Grundsatzfragen der nationalen und europäischen Mittelstandspolitik) gab einen Überblick über aktuelle Schwerpunkte der Mittelstandspolitik. Leasing sei in ihnen grundsätzlich eingeschlossen, einen Sonderfall stellten KfW-Programme dar. Dr. Duwe bezeichnete Leasing als zentralen Pfeiler der Mittelstandsfinanzierung.
Den Fortschritt in der Förderpolitik bewertete Dr. Claudia Conen in ihrem BDL-Update: Neue Förderprogramme im Bereich Mobilität schließen Leasing nun ein, ein Ergebnis, für das der BDL jahrelang eingetreten ist. Die Gleichbehandlung aller Finanzierungsarten war lange nicht selbstverständlich. Ihre Einschätzung: Die Richtung stimmt. Praxistaugliche Umsetzung, Klarheit, Konsistenz und Geschwindigkeit könnten noch zulegen.
Silke Mauch, BDL-Referatsleiterin Mittelstandsfragen und Förderprogramme, stellte konkrete Fortschritte bei Förderprogrammen vor: Neue Bundesprogramme für Wasserstoff-Nutzfahrzeuge und Ladeinfrastruktur schließen Leasing ein, ebenso mehrere Mobilitätsprogramme auf Landesebene. Neu ist auch: Die „PD – Berater der öffentlichen Hand“ stufen erstmals offiziell Leasing und Mietkauf als gleichwertige Beschaffungsformen für IT-Infrastruktur an Schulen ein.
BRUBEG: Anforderungen an Leasing-Gesellschaften
Susanne Wegner, BDL-Referatsleiterin Sustainable Finance, erläuterte anschließend leasingrelevante Änderungen durch das BRUBEG, darunter neue Anforderungen an ESG-Risikomanagement und Risikoplan.
Der BDL begleitet die Mitglieder bei der Umsetzung mit einer geplanten Online-Veranstaltung. Zudem stellte sie den VSME-Standard für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung von KMU vor.
Arbeitsrecht: Drei Themen mit Handlungsbedarf
Stefan Zepernick von Dachs Bartling Spohn & Partner skizzierte drei arbeitsrechtliche Themen, die Mittelständler aktuell auf dem Schirm haben sollten. Erstens: Die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz muss bis Juni 2026 in nationales Recht überführt werden, einen Gesetzesentwurf gibt es noch nicht. Zweitens: Das Gesetzgebungsverfahren zur Arbeitszeiterfassung läuft seit dem Referentenentwurf von 2023. Betriebe mit Betriebsrat sollten das Thema nicht unterschätzen. Drittens: Ab August 2026 gilt die EU-KI-Verordnung, mit Bußgeldern bis 15 Millionen Euro. Wer nicht weiß, welche KI-Tools im Unternehmen mit welchen Daten laufen, sollte jetzt damit beginnen.
Unternehmensnachfolge
Die Nachmittagsrunde widmete sich einem Thema, das viele mittelständische Leasing-Unternehmen beschäftigt: Unternehmensnachfolge. Dr. Patricia Sirchich von Kis-Sira und Dr. Michael Mette von BDO Legal stellten Alternativen zur klassischen Familienlösung vor: Management-Buy-out, Management-Buy-in, Stiftung, Teil-Exit.
Im Leasing kommt eine regulatorische Ebene hinzu, die andere Branchen so nicht kennen. Wer Anteile an einer Leasing-Gesellschaft erwirbt, braucht die Zustimmung der Aufsicht. Der neue Geschäftsleiter muss die Anforderungen des Fit-&-Proper-Verfahrens erfüllen. Das Inhaberkontrollverfahren kostet Zeit. BDO Legal schätzt den Gesamtbedarf für Vorbereitung und Umsetzung auf zwei bis drei Jahre.
Vier Unternehmer - vier Wege
Das Panel diskutierte aus der eigenen Praxis (v.l.): Peter Dost (HW Leasing) schilderte, warum das Stiftungsmodell für ihn keine theoretische Option war. Der Unfall von Thomas Agerholm habe zum Handeln gezwungen. Andreas Werner (Crédit Agricole Merca Leasing) berichtete über den Gesellschafterwechsel in seinem Unternehmen. Udo F. Mann (FML Leasing) benannte die unterschätzte Herausforderung bei der Geschäftsführernachfolge: „Die größte Herausforderung war ich selbst." Der scheidende Chef müsse die Arbeitsweisen des Nachfolgers respektieren, nicht umgekehrt. Stefan Linder (PwC) umriss Chancen und Fallstricke beim Verkauf.
Fazit: Wer jetzt nicht in die Zukunftsfrage investiert, verliert morgen den Anschluss

25 Ausgaben, ein Format, das funktioniert. Das Forum Mittelstand lebt davon, dass es um Praxis geht, nicht um Theorien. BDL-Vorstand Andreas Werner betonte in seinem Schlusswort die Relevanz von Investitionen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Leasing sei in unsicheren Zeiten das Finanzierungsinstrument der Wahl. Objekt-Know-how der Leasing-Gesellschaften ermögliche den Zugang zu innovativen Assets. Das mache Leasing auch zum Wachstumsmotor fürs Handwerk. Die Partnerschaft zwischen Leasing und Handwerk habe noch Potenzial, das längst nicht ausgeschöpft ist.











