ifo Geschäftsklima im August: Leasing-Erwartungen hellen sich auf – die Investitionen folgen noch nicht

ifo Geschäftsklima im August: Leasing-Erwartungen hellen sich auf – die Investitionen folgen noch nicht

Der ifo Geschäftsklimaindex für die Leasing-Branche stieg im August 2026 von -15,9 auf -6,6 Punkte. Rund zwei Drittel des Anstiegs entfallen auf die Geschäftserwartungen: Sie kletterten von -14,5 auf -2,4 Punkte und hellten sich damit den zweiten Monat in Folge auf, nach -23,2 Punkten im Juni. Die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage verbesserte sich von -17,2 auf -10,8 Punkte, blieb damit aber unter ihrem Juni-Wert von -4,6 Punkten. Trotz des Anstiegs bleiben sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate im negativen Bereich.

„Der Anstieg der Erwartungen fällt in einen Monat, in dem Energiekosten und Wasserstände bereits belasteten. Er misst deshalb weniger eine bessere Geschäftsgrundlage als die Korrektur einer sehr pessimistischen Einschätzung im Vormonat“, ordnet Dr. Kai Wohlfarth, Referatsleiter Volkswirtschaft und Finanzierung, ein.

Gesamtwirtschaftliches Umfeld: ifo auf Zwölfmonatshoch, BIP nach oben revidiert

Das gesamtwirtschaftliche ifo Geschäftsklima stieg von 86,7 auf 88,8 Punkte und erreichte damit den höchsten Stand seit zwölf Monaten. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Erwartungen verbesserten sich. Zugleich nahm die Unsicherheit unter den Unternehmen zum Zeitpunkt der Befragung weiter ab. Am selben Tag revidierte das Statistische Bundesamt das zweite Quartal von 0,2 auf 0,3 Prozent Wachstum, nach 0,4 Prozent im ersten Quartal. Bereits im Juli hatte Destatis rückwirkend Konjunkturdaten bis in das Jahr 2024 korrigiert. Aus einem Minus von 0,5 Prozent wurde eine Stagnation. Der zuvor gemeldete Rückgang entfällt damit.

Ursachen und Einordnung: Bessere Einschätzung, unveränderte Investitionsbasis

Der Stimmungsanstieg dürfte auch damit zusammenhängen, dass die deutsche Wirtschaft sich im ersten Halbjahr besser behauptet hat als zunächst angenommen. Für das zweite Quartal war das ifo Institut im Juni noch von Stagnation ausgegangen. Verbessert hat sich damit die Einschätzung der Unternehmen, eine Belebung der Investitionstätigkeit lässt sich daraus nicht ableiten. Dass sie (noch) nicht in Investitionsentscheidungen mündet, hat Wohlfarth zufolge drei Gründe. Erstens sei ein Teil des positiveren Bildes statistischer Natur: Revisionen heben das ausgewiesene Wirtschaftsniveau, ändern aber nichts an der Dynamik. Zweitens stehe die Korrektur auf einer schmalen Basis. Als Beleg verweist Wohlfarth auf den Industrie-Einkaufsmanagerindex, der zwar im August ein 51-Monats-Hoch erreichte. Getragen sei die Entwicklung jedoch unter anderem von Verteidigungsaufträgen und damit von öffentlich finanzierter Nachfrage. Der Dienstleistungsindex hingegen fiel gleichzeitig unter die Wachstumsschwelle. Drittens liefern Wohlfarth zufolge die harten Konjunkturdaten bislang kein eindeutiges Signal für eine Investitionswende: Die Ausrüstungsinvestitionen sanken gegenüber dem Vorquartal um 1,4 Prozent und lagen nur 1,1 Prozent über dem Vorjahr. Auch die Erwerbstätigkeit blieb um 212.000 Personen unter dem entsprechenden Vergleichswert.

„Entscheidend ist, wo die Robustheit anfällt: im Auslandsgeschäft und in staatlicher Nachfrage. Die Investitionsentscheidung eines exportierenden Unternehmens – die Quelle der Leasing-Nachfrage – erreicht diese erst, wenn es zu Kapazitätsengpässen kommt“, sagt Wohlfarth.

Rahmenbedingungen: Angebotsschocks halten den Zinsdruck hoch

Vom Zinsumfeld sei keine Entlastung zu erwarten, so Wohlfarth weiter. Der Einlagesatz liegt seit der Anhebung vom Juni bei 2,25 Prozent. Im Euroraum stieg die Inflation im Juli auf 2,9 Prozent, die Kernrate auf 2,5 Prozent. Zugleich werden im EZB-Direktorium weitere Zinserhöhungen diskutiert. Für September erwarten die Märkte überwiegend eine weitere Anhebung.

Zusätzlichen Preisdruck erzeugt eine Häufung von Angebotsstörungen: Die Straße von Hormus bleibt gesperrt und hat den Brent-Preis auf mehr als 90 US-Dollar je Barrel getrieben. Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer verteuern Getreide- und Ölfracht. Hinzu kommt das Niedrigwasser der Binnenwasserstraßen, das laut Bundesbank die Aktivität im dritten Quartal spürbar belastet. Die US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA hält ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis im Schlussquartal für nahezu sicher, was ebenfalls unter anderem auf die Nahrungsmittelpreise wirken wird.

„Angebotsschocks treiben die Preise und dämpfen die Produktion zugleich. Dies lässt Rufe nach einer weiteren geldpolitischen Straffung lauter werden. Steigende Refinanzierungskosten treffen auf eine ohnehin schwache Investitionsneigung“, betont Wohlfarth.

Ausblick: Bessere Stimmung, noch keine Investitionswende

Die Wachstumsprognosen für 2026 liegen zwischen 0,8 und 1,0 Prozent; die Aufwärtsrevision des ersten Halbjahres stützt das Jahresergebnis. Nach Einschätzung Wohlfarths überwiegen für die zweite Jahreshälfte jedoch die Abwärtsrisiken. Da die ifo-Befragung früh im Monat beginnt, dürfte der Augustwert die weitere Verschärfung des Niedrigwassers und den jüngsten Ölpreisanstieg allenfalls teilweise abbilden.

Für die Leasing-Branche bleibt der Augustwert eine Zwischenbewegung: Belastbar würde die Aufhellung erst, wenn sie sich im September behauptet, die Lagebeurteilung nachzieht und die Ausrüstungsinvestitionen wieder zulegen.

„Eine bessere Stimmung ist noch keine Investitionsentscheidung. Für das Neugeschäft zählt erst die Bereitschaft, Kapazitäten wieder aufzubauen“, fasst Wohlfarth zusammen.

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