BDL Leasingnews - Ausgabe September 2021

Neuigkeiten rund um die Leasing-Wirtschaft und den investierenden Mittelstand


Geschäftsklima im August: Aufholjagd sorgt für positive Stimmung

Der ifo Geschäftsklimaindex für die Leasing-Branche ist im August deutlich gestiegen und markiert den höchsten Wert seit 2005. Während die Beurteilung der aktuellen Lage den "Rücksetzer" aus dem Vormonat berichtigt, scheint die Bewertung der Erwartungen überzeichnet. „Hier zeigt sich in Analogie zu den Vorjahren, dass die Erwartungskomponente im Spätsommer stärker steigt,“ erläutert Dr. Kai Wohlfarth, BDL-Referatsleiter Volkswirtschaft und Finanzierung. Die positive Stimmung in der Branche sei insbesondere der Aufholjagd der vergangenen Monate zu verdanken.

Die Herausforderungen für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nehmen jedoch im Rest des Jahres zu. „So sind der Rohstoffmangel ebenso wie der Chipmangel noch nicht behoben und führen immer häufiger zu Wartezeiten bei der Auslieferung von geleasten Objekten.“ Die starke Nachfrage könne nur mit Mühe ausreichend bedient werden. „2021 verspricht aus heutiger Sicht ein gutes Jahr für die Leasing-Branche zu werden. Allerdings muss man auf dem hohen Niveau der Erwartungen davon ausgehen, dass verfehlte Rekorde auch zu Enttäuschungen führen können,“ schließt Wohlfarth ab.

Leasing-Wirtschaft wächst im 1. Halbjahr um 8 Prozent

Das Neugeschäft der Leasing-Wirtschaft wächst im ersten Halbjahr um 8 Prozent. Treiber des Neugeschäfts sind vor allem die beiden Fahrzeugsegmente Pkw und Nutzfahrzeuge, die beide jeweils ein Plus von über 20 Prozent erzielten. Moderat wuchs das Maschinenleasing um 3 Prozent. Weiterhin rückläufig zeigt sich das IT-Leasing.

Während das Neugeschäft in den ersten drei Monaten um 3,5 Prozent wuchs, steigerte sich das Leasing-Geschäft um 13 Prozent im zweiten Quartal. Dabei ist zu bedenken, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten im Vergleichsquartal 2020 aufgrund des Lockdowns stark beeinträchtigt waren.

Der BDL fragt jedes Quartal eine repräsentative Stichprobe seiner Mitglieder zur Entwicklung ihres Neugeschäfts Mobilien-Leasing und Mietkauf, aus den Ergebnissen wird der Quartalstrend ermittelt.

Analyse zum Leasing-Markt: Kooperation mit IW Köln geschlossen

Das  Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) unter Leitung von Prof. Dr. Michael Hüther wird künftig in Zusammenarbeit mit dem BDL den jährlichen Bericht zum Leasing-Markt in Deutschland erstellen. Anders als bei den bisherigen Veröffentlichungen wird das Neugeschäft nicht auf Basis von Schätzungen im November des laufenden Jahres vorgenommen, sondern nach Abschluss des 4. Quartals. Die Veröffentlichung ist zusammen mit den Autoren des IW bis Ende Februar vorgesehen.
Der Bericht wird neu konzipiert und angepasst. Die Erstellung erfolgt Top-down: Von der Beschreibung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im abgelaufenen Jahr über die Einordnung der Leasing-Branche bis hin zu einem Ausblick auf das neue Jahr. „Wir freuen uns, dass wir ein so renommiertes Wirtschaftsforschungsinstitut wie das IW für die Branchenanalyse gewinnen konnten," erklärt Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin des BDL.  

Attraktivität von Leasing steigt

Leasing ist bei Unternehmen als Investitionsform längst fest etabliert. Seine Attraktivität steigt auch für die private Anschaffung eines Neuwagens. Nach einem DAT-Report der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT) nutzen immer mehr Privatleute Leasing – der Leasing-Anteil lag 2020 bei 22 Prozent. Von 2018 auf 2019 stieg die Quote von 14 Prozent um acht Prozentpunkte auf 22 Prozent. „Vor allem durch interessante Leasingangebote für E-Autos könnte diese Form der Finanzierung in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen“, prognostizieren die DAT-Experten. Denn Leasing biete dem Endverbraucher den Vorteil, auf ein E-Auto umzusteigen, ohne das Risiko eines großen Wertverlustes (Batterie/Technik) einzugehen.

Als Gründe für Autoleasing gaben die Befragten am häufigsten an, Leasing sei eine „bequeme, kalkulierbare Art, das Fahrzeug zu nutzen“ (78 Prozent). Zwei Drittel (67 Prozent) nannten das Argument: „Nicht Besitz, sondern (nur) Nutzung“. Die Frage des Wertverlustes spielte für die Hälfte der Befragten eine Rolle.

Weitere Motive finden sich in der Auswertung auf der Website des DAT. Für den DAT-Report 2021 wurden im Auftrag der DAT durch das Marktforschungsinstitut GfK insgesamt 4.547 Personen zum Autokauf und zum Werkstattverhalten befragt. Der umfangreiche Report ist kostenpflichtig beim DAT erhältlich.

DigitalPakt Schule für Leasing öffnen

Der BDL hat eine Initiative gestartet, um Leasing für das Förderprogramm DigitalPakt Schule zu öffnen. Bisher ist in dem mit 6,5 Mrd. Euro Bundesmitteln ausgestatteten Programm hauptsächlich Mietkauf förderfähig und die Einbindung ergänzender Services praktisch unmöglich.

Der BDL zeigt den zuständigen Fachministerinnen und Fachministern des Bundes und der Länder auf, wie Schulen durch umfassende Leasing-Serviceangebote von fachfremden administrativen IT-Arbeiten entlastet werden und sich Lehrkräfte somit auf die pädagogische Arbeit konzentrieren können. Zudem werden die Vorzüge des zirkulären Leasing-Modells im Hinblick auf Nachhaltigkeit und die Aufrechterhaltung einer IT-Infrastruktur auf dem stets aktuellen Stand der Technik hervorgehoben. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass diskutierte Lösungsansätze für einen erforderlichen digitalen Unterricht in Schulen bei der Frage nach der Anschaffung von IT-Geräten endet“, erklärt BDL-Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Conen. „Leider wird Leasing nicht nur beim DigitalPakt, sondern auch bei verschiedenen öffentlichen Förderprogrammen nicht mitgedacht“, führt sie aus. Der BDL setzt sich daher verstärkt bei Bundes- und Landesministerien sowie weiteren Behörden dafür ein, Förderprogramme auch für Leasing zu öffnen.

Verbändeinitiative PRO Mittelstand: Finanzierungsvielfalt stärken – Mittelstand fördern

"Finanzierungsmix stärken – Mittelstand fördern" – unter dieser Überschrift hat die Verbändeinitiative PRO Mittelstand ein Positionspapier zur Bundestagswahl veröffentlicht. Die Forderungen basieren auf der Überzeugung, dass der "German Mittelstand" spiegelbildlich zu seiner Struktur eine Vielfalt an Finanzierungspartnern und -instrumenten benötigt. "Zur Bewältigung der notwendigen Transformationsprozesse sowie für einen erfolgreichen Post-Corona-Aufschwung ist es entscheidend, den mittelständischen Unternehmen einen optimalen Mix aus Finanzierungsbausteinen zu sichern", erläutert Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin des BDL. Die Initiative PRO Mittelstand, die vom BDL mitinitiiert wurde, setzt sich für Rahmenbedingungen ein, die ein solch breites Spektrum – Bankdarlehen, Leasing, Factoring, Nachrang- und Mezzaninkapital etc. – gewährleisten.

Als Folge der Pandemie-Bewältigung hat sich die Eigenkapitalausstattung des Mittelstandes verschlechtert, was die künftige Unternehmensfinanzierung erschwert und sich negativ auf Zukunftsinvestitionen auswirkt. Gezielte Förderprogramme der Förderbanken des Bundes und der Länder sollen daher das Eigenkapital des Mittelstandes stärken und offen für alle Instrumente sein. In der aktuellen Situation gilt es, die Finanzpartner des Mittelstandes zu stärken, jedoch führen Fülle und Komplexität der Regulierung für Finanzierungsakteure zu hohen Kosten und einer Angebotsverknappung, die sich bereits auf dem Markt zeigt. Daher fordert die Verbändeinitiative, die Regulierung von Banken, Bürgschaftsbanken, Leasing- und Factoring-Gesellschaften auf das spezifische Risiko und Geschäftsmodell angemessen abzustimmen. Kleinere Institute müssten vor einer unverhältnismäßigen Regulierung geschützt werden.

Zur anstehenden Bundestagswahl am 26. September 2021 hatte der BDL bereits ein Positionspapier mit Forderungen der Leasing-Wirtschaft an die Politik kommuniziert. 

BaFin veröffentlicht finale Fassungen von MaRisk und BAIT

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die finalen Fassungen zu den Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) sowie zu den Bankaufsichtlichen Anforderungen an die IT (BAIT) veröffentlicht. Mit der MaRisk-Novelle setzt die BaFin EBA-Vorgaben zu notleidenden und gestundeten Risikopositionen, Auslagerungen und dem Umgang mit Informations- und Kommunikationsrisiken um. Mit den BAIT konkretisiert die Aufsicht ihre Erwartung an die Rahmenbedingungen für eine sichere Informationsverarbeitung und Informationstechnik.

„Wir begrüßen, dass die BaFin ausdrücklich auf das in den MaRisk verankerte Proportionalitätsprinzip hinweist“, erklärt Dr. Claudia Conen, BDL-Hauptgeschäftsführerin. Danach sind bei Leasing- und Factoring-Gesellschaften die Institutsgröße sowie Art, Umfang, Komplexität und Risikogehalt der Geschäftsaktivitäten zu beachten. „Der BDL wird sich in den folgenden Fachgesprächen mit der Aufsicht weiterhin für eine proportionale und differenzierte Anwendung einsetzen.“ 

IoT-based financing: Das Asset kann sprechen

Was wäre, wenn eine geleaste Maschine sprechen könnte und z. B. vor einer falschen Kalibrierung warnt oder vor drohender Überhitzung und selbstständig einen Wartungsservice bestellt? Oder wenn die Maschine in Echtzeit ihre Nutzungsdaten, Betriebsstunden, Output oder andere messbare Kriterien, "mitteilt" und der Maschinennutzer nur exakt dafür bezahlen müsste? Längst ist dies keine Zukunftsmusik mehr. Denn das Internet of Things (IoT) ermöglicht eine solche datenbasierte Transparenz über Standort, Nutzung und Leistung sowie vielfältige weitere Eigenschaften des finanzierten Assets – in Echtzeit. Diese Realtime-Kommunikation mit dem finanzierten Asset stärkt Leasing in seiner Bedeutung für die Finanzierung der digitalen Transformation der Wirtschaft. Dank erhöhter Transparenz kann dem Kundenwunsch  „Nutzung statt Eigentum“ als Paradigma der Industrie 4.0 leichter entsprochen werden.

In einem Gastbeitrag im Jahresbericht des BDL zeigt Dr. Lars Rüsberg, Innovating Innovators, auf, dass sich neue Optionen der Risikosteuerung und -teilung ergeben, wenn sich Leasing-Gesellschaften in Ökosystemen positionieren. 

 
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