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2. BDL-Forum Digitalisierung: Welche Digitalisierung braucht die Branche?

Welche Digitalisierung braucht die Leasing-Wirtschaft? – Diese Frage warf Marion Schäfer, Mitglied des BDL-Vorstands, in ihrer Keynote zum 2. Forum Digitalisierung auf. Rund 90 Vertreter von Leasing-Gesellschaften sowie Kooperationspartner diskutierten am 17. Oktober 2017 in Berlin die Konsequenzen des digitalen Wandels für die Leasing-Branche und das eigene Unternehmen. 

Marion Schäfer machte drei Stufen der Digitalisierung aus: Von der Automatisierung der Prozesse über Weiterentwicklung der bestehenden Geschäftsmodelle mit IoT, Big Data und der Agilität der Unternehmensorganisation bis zur dritten Stufe – der Disruption. Für die Leasing-Branche stellte sich die Frage, was über Bord geworfen werden müsse, um neue Wege einzuschlagen und die Bedürfnisse der Kunden noch besser zu erfüllen.  

Eine Bestandsaufnahme der Auswirkungen die Digitalisierung auf die Branche und auf das eigene Unternehmen schilderte Burkhard Blechschmidt von Cognizant, der Kernergebnisse der Studie „Wie digitalisieren Sie ihr Business – Mehrwerte schaffen durch digitale Transformation“ vorstellte. Die Trendstudie wurde 2016 zusammen mit Lünendonk und der TU Darmstadt durchgeführt. Überraschend ergab die Befragung von 120 Unternehmensvertretern eine deutliche Diskrepanz zwischen Branchen- und Unternehmensbetroffenheit. Während 30 Prozent der Unternehmen mit „sehr großen“ Veränderungen für die Geschäftsmodelle ihrer Branche rechnen, erwarten lediglich 17 Prozent entsprechende Auswirkungen auf ihr eigenes Unternehmen. Betrachtet man jedoch die Aussagen von Banken und Finanzdienstleistern, so verringert sich die Diskrepanz deutlich. Unternehmen der Finanzwirtschaft sehen sich „gewissermaßen mitten in einem Strom der Veränderung, der alle Marktteilnehmer gleichermaßen mit verändert“, heißt es in der Studie.

Digitalisierung noch nicht in allen Köpfen

Chancen sieht die Mehrheit der Befragten vor allem in der Prozessoptimierung. Nur rund ein Viertel erkennt Disruptions- oder Wachstumschancen durch neue Geschäftsmodelle. 60 Prozent der Unternehmen befürchten sogar, dass Investitionen in den digitalen Wandel sich nicht amortisieren. Weitere Hemmnisse für den digitalen Wandel stellen die notwendige Anpassung der Unternehmenskultur und die Rekrutierung von Fachkräften dar. Bei der Zusammenarbeit mit Partnern gehen die Unternehmen kaum neue Wege, sie kooperieren selten mit branchenfremden Unternehmen oder gar Start-ups. Auch hier liegt der Anteil bei Banken und Finanzdienstleistern höher: immerhin knapp jedes dritte Unternehmen der Finanzwirtschaft ist bereits eine solche Kooperation eingegangen. Trotz der geringen Kooperationsbereitschaft der Unternehmen in der Gesamtheit sind 80 Prozent aller Befragten der Auffassung, dass die Ökosysteme komplexer werden. Das Fazit von Burkhard Blechschmidt: „Die Digitalisierung ist noch nicht in allen Köpfen angekommen.“

Innovative Geschäftsmodelle entwickeln

Eine Methode, die Scheuklappen in den Köpfen abzulegen und freier zu denken, stellte im Anschluss Georg von der Ropp, BMI Lab AG, vor. Er präsentierte mit dem „St. Gallen Business Model Navigator“ ein System, um innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. „Nicht das beste Produkt, sondern das beste Geschäftsmodell wird auf Dauer erfolgreich sein“, erklärte Ropp einleitend. Mit drei Aspekten lassen sich die größten Herausforderungen bei der Entwicklung beschreiben: Das Denken in Geschäftsmodellen, das Brechen mit der eigenen Branchenlogik und die Methodik. Für den Business Navigator hat das BMI Lab über 200 Geschäftsmodelle untersucht und daraus 55 innovative Muster abgeleitet. Durch Kombinieren der Modelle oder durch kreative Imitation lassen sich innovative eigene Geschäftsmodelle entwickeln. Als Beispiel für eine Übertragung führt Ropp „Razor und Blade“ auf: Ein günstiges Produkt wird durch teures Verbrauchsmaterial ergänzt. Was den Ursprung beim Rasierapparat und den nachzukaufenden Klingen hatte, wurde auf Kaffeekapseln oder Druckerpatronen übertragen.

Als ein aktuelles innovatives Beispiel stellt er das Geschäftsmodell von Philips Lighting Solutions dar. Die Beleuchtung des Flughafens Schiphol in Amsterdam sollte auf LED umgestellt werden. Da jedoch die Mittel für hohe Investitionen nicht vorhanden waren, übernahm Philips die Ausstattung und „verkauft nun Licht“ (pay for performance). „Die Digitalisierung und Marktveränderungen eröffnen weitere große Chancen für innovative Geschäftsmodelle“, kündigte Ropp an.

Riding the digital Wave

„Digitalisierung ist kein Mythos und auch für das physische Asset Management relevant“, erläuterte im Anschluss Dr. Florian Stadlbauer, Head of Digitalization der Commerz Real AG. Er beschrieb in seinem Vortrag „Riding the digital Wave“ die Strategie, wie sich die Commerz Real zum ersten digitalen Assetmanager entwickeln will. Der Leasing-Prozess soll standardisiert und digitalisiert werden durch den Aufbau einer Online-Leasing Plattform. „Kundenorientierte End-to-End Automatisierung des Leasing ist unser Ziel“, erläuterte Dr. Stadlbauer. Die Produktpalette werde durch „pay per use“ erweitert. Die Digitalisierung verändere das Unternehmen nicht nur hinsichtlich eingesetzter Technologien und innovativer Produkte, sie verändere insbesondere den Kern des Unternehmens, seine Kultur, die Art des Zusammenarbeitens, die Fehlerkultur, Vernetzung etc. „Wir verstehen die Digitalisierung nicht als Sprint, sondern als Marathon, der gerade erst begonnen hat“, schloss Dr. Stadlbauer, der zuvor lange Jahre Geschäftsführer eines Entwicklungsstudios für Videospiele in Deutschland war, seinen Vortrag.

Am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kleingruppen verschiedene Themen vertiefen. Von Blockchain über Customer Experience, Methoden für agiles Projektmanagement, Cognitive Computing, Mobile digitalen Identifizierung, Qualität online generierter Leads, Customer Journey Mapping bis zur praktischen Anwendung des Business Model Navigators reichte das Themenspektrum.

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Geschäftsklima des Mittelstands auf Rekordhöhe

Die mittelständische Wirtschaft läuft auf Hochtouren. Das KfW-Mittelstandsbarometer steigt im September erneut auf Rekordhöhe an. Die aktuelle Geschäftslage beurteilen die Unternehmen so gut wie noch nie seit Beginn der Befragungen 1991. Auch die Erwartungen ziehen an, im Vergleich zur Lageeinschätzung eher moderat. „Die Unternehmen gehen offenbar fest davon aus, dass die Konjunktur mindestens bis zum Ende des Winters schwungvoll bleiben wird“, schreiben die Experten von KfW Research.

Auch die Großunternehmen gehen mit besserer Stimmung in den Herbst, jedoch nicht ganz so euphorisch wie der Mittelstand. Nicht zuletzt spiegelt sich die gute Stimmung im Mittelstand auch im Geschäftsklima der mittelständischen Leasing-Wirtschaft wider. Zum Ende des 3. Quartals steigen sowohl die Lagebeurteilungen wie auch die Erwartungen an die kommenden sechs Monate das dritte Mal in Folge an.  

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Gemeinschaftsdiagnose: Aufschwung gewinnt an Stärke

„Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat an Stärke und Breite gewonnen. Neben den Konsumausgaben tragen nun auch das Auslandsgeschäft und die Investitionen zu Expansion bei“, beschreiben die fünf führenden Wirtschaftsinstitute in ihrer Gemeinschaftsdiagnose Herbst 2017. Sie verzeichnen eine kräftige Zunahme der privaten und staatlichen Investitionsausgaben, relativieren jedoch: „Die Investitionstätigkeit kommt spürbar in Gang, auch wenn die Expansionsraten hinter den Werten früherer Hochkonjunkturen zurückbleiben.“

Aufgrund der hohen Kapazitätsauslastung schätzen die Experten, dass die Unternehmen ihre Erweiterungsinvestitionen verstärken.

Für das Gesamtjahr 2017 erwarten die Institute, dass die Ausrüstungsinvestitionen um 1,8 Prozent zulegen, wobei für das Schlussquartal ein Wachstum von 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum prognostiziert wird. 2018 sollen die Ausrüstungsinvestitionen um 4,3 Prozent und 2019 um 3,5 Prozent steigen. "Wenn die Prognose eintritt, sind die Aussichten für die Leasing-Wirtschaft gut", erklärt BDL-Hauptgeschäftsführer Horst Fittler. "Denn über die Hälfte der außenfinanzierten Investitionen wird über Leasing realisiert. Allerdings stellt sich die Frage, ob diese Wachstumsraten ausreichen, um die bestehende Investitionslücke in Deutschland zu schließen." 

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Der BDL – Vertreter der deutschen Leasing-Wirtschaft

Der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) mit Sitz in Berlin ist die Interessenvertretung der deutschen Leasing-Wirtschaft, die für ihre Kunden 2016 Investitionen von 64,2 Mrd. Euro (inklusive Mietkauf) realisiert hat. 

Ziel des BDL ist es, Leasing in Deutschland zu fördern und zu schützen – aus Anbieter- wie aus Kundensicht. 156 Leasing-Gesellschaften haben sich im BDL zusammengeschlossen, um sich im Dialog mit Gesetzgeber, Verwaltung und Öffentlichkeit für die Belange der Branche und des Produkts einzusetzen. Sie repräsentieren rund 90 Prozent des Leasing-Marktvolumens. 

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Schwerpunktthema:
Digitale Aufbruchstimmung in der Leasing-Wirtschaft. Zudem umfangreiche Analysen des Marktes und der Rahmenbedingungen.

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