50. BDL-Mitgliederversammlung spannt thematischen Bogen von Handwerk und Verteidigungssektor bis zu Cybersicherheit und Regulatorik

Auf der 50. Mitgliederversammlung des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) am 7. Mai 2026 in Potsdam diskutierte die Leasing-Wirtschaft über Investitionsschwäche in Deutschland, Finanzierungslösungen für Mittelstand und Handwerk, neue Geschäftsfelder im Verteidigungssektor, Cybersicherheit für KMU sowie Finanzmarktregulatorik. Der BDL sieht Leasing als wichtigen Baustein der Mittelstandsfinanzierung und Investitionsfinanzierung. Leasing kann Investitionen in Digitalisierung, klimafreundliche Technologien und neue Geschäftsfelder trotz wirtschaftlicher Unsicherheit ermöglichen.

Impressionen der Mitgliederversammlung und des Leasing Branchentreffs.

50. Mitgliederversammlung des BDL in Potsdam

Die deutsche Wirtschaft investiert zurückhaltend. Das prägte die Debatten auf der 50. Mitgliederversammlung des BDL in Potsdam. BDL-Präsident Kai Ostermann zeichnete zum Auftakt ein angespanntes Bild der Lage: Die Unternehmensinvestitionen lagen 2025 11 Prozent unter dem Niveau von 2019. Pandemie, Krieg in Europa, Energiekrise, gestörte Lieferketten und geopolitische Unsicherheiten belasteten Unternehmen seit Jahren nahezu ohne Unterbrechung.

„Wer nicht weiß, wie sich Energiepreise, Rohstoffkosten und die Nachfrage entwickeln, denkt zweimal nach, bevor er investiert“, sagte Ostermann. Gleichzeitig wachse der Druck zur Modernisierung. Unternehmen müssten stärker in Digitalisierung, neue Technologien und klimafreundliche Lösungen investieren, verfügten aber über weniger Spielräume.

Der BDL sieht Leasing als Instrument, um Investitionen trotz wirtschaftlicher Unsicherheit zu ermöglichen. Leasing ermögliche planbare Kosten, schone Liquidität und begrenze Risiken beim Einstieg in neue Technologien. Die Leasing-Quote stieg 2025 auf 26,6 Prozent – bei insgesamt sinkenden Investitionen.

Leasing könne jedoch ohne entsprechende Rahmenbedingungen nicht die Investitionsstimmung der Unternehmen umkehren. Ostermann verband das mit klaren Erwartungen an die Politik. Der BDL unterstützt das Ziel der Bundesregierung, 2026 zum „Jahr der Reformen“ zu machen. „Aber Reformen, die nur in Kabinettsbeschlüssen existieren, die das Ziel verfolgen, höhere Steuereinnahmen zu generieren, oder nur kleine Einzelmaßnahmen sind, helfen keinem Unternehmen. Jetzt sind endlich Gesetze gefragt, die investitionsfreundlicher und mittelstandsfreundlicher sind.“

Viele wirtschaftspolitische Initiativen gingen zwar in die richtige Richtung, doch aus Sicht des BDL fehlen Tempo bei der Umsetzung und der Mut zu strukturellen Reformen. Ein konkretes Signal wäre das Vorziehen der Körperschaftsteuersenkung.

Leasing in Förderprogrammen

Auch Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Conen berichtete über schwierige Rahmenbedingungen, betonte jedoch Fortschritte bei der politischen Anerkennung von Leasing in Förderprogrammen. Der BDL setzt sich seit Jahren dafür ein, Leasing stärker als Instrument nachhaltiger Finanzierung in politische Förderinstrumente einzubinden. Seit Januar gilt die Bundesförderung für Elektrofahrzeuge auch für Leasing-Kunden. Zudem hat das Bundesverkehrsministerium Leasing in ein Wasserstoff-Förderprogramm aufgenommen. Mehrere Bundesländer folgen diesem Ansatz. Erstmals empfehlen auch Berater der öffentlichen Hand Leasing ausdrücklich für die IT-Beschaffung an Schulen. „Das Ziel ist jedoch noch nicht erreicht: Leasing muss auch in der Breitenförderung verankert werden, weit über Mobilität hinaus. Und es gilt, Kompetenz im Umgang mit Förderanträgen, Förderbedingungen und Haftungsfragen weiter aufzubauen“, erklärte sie.

Handwerk fordert einfache Finanzierungslösungen

Ein Schwerpunkt der Tagung war die Zusammenarbeit mit dem Handwerk. Dirk Palige, Geschäftsführer Deutscher Handwerkskammertag, warb für eine engere Zusammenarbeit zwischen Leasing-Unternehmen und dem Handwerk. Er verwies auf rund eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland. Diese benötigten Fahrzeuge, Maschinen und Betriebsausstattung – und passende Lösungen für KMU-Finanzierung und Investitionsfinanzierung. Das Potenzial für Leasing sei groß und bei weitem nicht ausgeschöpft. Mit Blick auf derzeit strengere Kreditvergabestandards erklärte er: „Aktuell tut sich gerade ein Finanzierungsvakuum auf, das Sie als Leasing-Anbieter ausfüllen könnten."

Für Handwerksbetriebe seien einfache und verständliche Leasing-Angebote besonders wichtig. Das Handwerk leide bereits stark unter Bürokratie. Einen von fünf Arbeitstagen müsse ein Meister oder eine Meisterin im Büro verbringen, um die bürokratischen Anforderungen zu bewältigen. Palige: „Der Kopf eines Handwerksmeisters gehört nicht an den Schreibtisch, sondern in die Backstube, den Salon, die Werkstatt oder auf die Baustelle." Weniger komplexe Prozesse und einfache Angebote könnten daher die Attraktivität von Leasing im Handwerk erhöhen.

Verteidigungssektor eröffnet neue Geschäftsfelder

Der BDL sieht auch im Verteidigungssektor neue Finanzierungsmöglichkeiten für Leasing-Gesellschaften. Prof. Dr. Rafaela Kraus von der Hochschule der Bundeswehr in München erklärte, dass der europäische Verteidigungsmarkt wächst und sich zunehmend zu einem Feld für Defence Finance und spezialisierte Finanzierungslösungen entwickelt. Dabei gehe es nicht nur um Waffen, sondern auch um Logistik, Fahrzeuge, Kommunikationstechnik und Fertigungsanlagen – also um Assets, die sich für Leasing-Modelle eignen. Traditionelle Beschaffungsmodelle stießen zunehmend an Grenzen, weil Innovationszyklen in vielen Technologiebereichen kürzer werden.

Für Leasing-Gesellschaften könnten sich daraus neue Felder der Asset-Finanzierung im sicherheitsrelevanten Umfeld entwickeln. Aber: Wer Aufträge gewinnen will, braucht nicht nur ein gutes Produkt, sondern kulturelles Verständnis für den Defence-Bereich sowie Zugänge zum Ökosystem und relevanten Netzwerken. „Suchen Sie sich einen Silberrücken, zum Beispiel einen Reservisten“, ermunterte sie. Ein gutes „Einfallstor“ seien auch die Zulieferer, rät sie.

Cybersicherheit wird für KMU zum Risikofaktor

Cybersicherheit entwickelt sich zunehmend zu einem wirtschaftlichen und regulatorischen Risikofaktor für kleine und mittlere Unternehmen. Manuel Bach vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik schilderte die aktuelle Bedrohungslage für kleine und mittlere Unternehmen. Weltweit würden täglich 119 neue Schwachstellen bekannt. Viele Unternehmen hielten sich zwar für gut vorbereitet, arbeiteten aber weiterhin mit veralteter Software ohne Sicherheitsupdates.

Als niedrigschwelligen Einstieg in die IT-Sicherheitsanalyse verwies Bach auf den „CyberRisikoCheck“. In einem strukturierten Interview analysieren IT-Dienstleister den Sicherheitsstand eines Unternehmens. Am Ende erhalten die Betriebe einen Bericht mit priorisierten Handlungsempfehlungen und Hinweisen auf Fördermöglichkeiten.

DORA-Regulatorik bleibt Daueraufgabe

Ein Jahr nach Inkrafttreten der europäischen DORA-Verordnung zur digitalen operationalen Resilienz im Finanzsektor zog Christian Haas, Partner der Deloitte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, zum Abschluss der 50. Mitgliederversammlung eine erste Bilanz. Viele Institute hätten grundlegende Strukturen aufgebaut und zentrale Anforderungen umgesetzt. Gleichzeitig sei die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Der BDL unterstützt seine Mitgliedsunternehmen dabei mit Anwendungshinweisen zur Umsetzung der DORA-Anforderungen. Haas ging in diesem Zusammenhang auch auf die neue 9. MaRisk-Novelle der BaFin ein, die nun einen wesentlich stärkeren prinzipienorientierten Ansatz enthalte.

 
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