Der ifo Geschäftsklimaindex für die Leasing-Branche sank im Juni 2026 von –10,3 auf –15,6 Punkte. Ausschlaggebend war der Rückgang der Erwartungen. Die Erwartungskomponente fiel von –13,9 auf –26,4 Punkte und gab damit nahezu die Hälfte ihrer Erholung aus dem Vormonat wieder ab. Die aktuelle Geschäftslage entwickelte sich dagegen leicht besser. Sie stieg von –6,6 auf –4,2 Punkte, bleibt aber weiterhin im negativen Bereich. Damit öffnet sich die Lücke zwischen Lage und Erwartungen erneut: Das laufende Geschäft stabilisiert sich, die Sechs-Monats-Perspektiven verschlechtern sich deutlich.
„Die leichte Verbesserung der Lagebeurteilung darf nicht über den Rückfall der Erwartungen hinwegtäuschen. Die ifo Befragung hatte zum Zeitpunkt des Mitte Juni erzielten Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran bereits weitgehend stattgefunden – die vermeintliche geopolitische Entspannung ist in den Branchenzahlen daher noch nicht abgebildet“, ordnet Dr. Kai Wohlfarth, Referatsleiter Volkswirtschaft und Finanzierung, ein. Der Rückfall zeige, dass Unternehmen angesichts hoher Energiekosten und geopolitischer Unsicherheit Investitionen weiterhin zurückstellten.
Gesamtwirtschaftliches Umfeld: ifo verbessert sich – getragen von der Lage
Das gesamtwirtschaftliche ifo Geschäftsklima stieg im Juni von 85,0 auf 85,6 Punkte. Der Anstieg geht in erster Linie auf eine bessere Beurteilung der aktuellen Geschäftslage zurück, während sich die Geschäftserwartungen nur geringfügig aufhellten. Im Dienstleistungssektor fiel die Lagebeurteilung wieder besser aus, und auch die Industrie bewertete ihre aktuelle Lage etwas positiver – wenngleich dort weiterhin mehr Unternehmen ihre Geschäftslage als ungünstig denn als gut einschätzen.
Ursachen und Einordnung: Akuter Schock überlagert strukturelle Schwäche
Die bessere Lagebeurteilung deutet darauf hin, dass die realwirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges bislang begrenzter ausfielen als befürchtet. Die Investitionsbereitschaft bleibt dennoch verhalten. Die privaten Ausrüstungsinvestitionen dürften laut Sachverständigenrat auch 2026 erneut sinken; der marginale Gesamtzuwachs werde ausschließlich von öffentlichen Verteidigungsausgaben getragen. Der Energiepreisschock ist dabei der akute, sichtbare Auslöser des Erwartungseinbruchs. Er überlagert jedoch eine strukturelle Investitionsschwäche, die bereits zuvor bestand. „Die befragten Unternehmen bewerten die vorsichtige Entspannung am Golf noch nicht als Wende. Selbst wenn die Energiepreise nachgeben, bleibt die zivile Investitionstätigkeit gehemmt, solange die tieferliegenden Standortfaktoren fortbestehen“, erläutert Wohlfarth.
Rahmenbedingungen: Entspannung am Golf hebt das Szenario nicht
Die Bundesbank hat Mitte Juni ihre neue Deutschland-Prognose vorgelegt und traut der Wirtschaft erst 2028 wieder spürbares Wachstum zu. Für das Sommerhalbjahr 2026 beschreibt die Bundesbank die expansive Fiskalpolitik als entscheidenden Stabilisator. Sie verhindert demnach, dass die Wirtschaftsleistung zurückgeht, und gleicht die Folgen des Nahost-Krieges in etwa aus.
Frühere Szenarien unterstellten lediglich eine vorübergehende, keine dauerhafte Blockade der Straße von Hormus. Die Entspannung bestätigt damit das Basisszenario, hebt es aber nicht an. „Gewonnen ist keine Verbesserung, sondern nur das Ausbleiben einer weiteren Verschlechterung“, ordnet Wohlfarth ein.
„Sobald sich der geopolitische Nebel lichtet, treten die strukturellen Lasten wieder klarer hervor: demografisch getriebene Sozialabgaben, Energiekosten und das Steuerniveau belasten die Wettbewerbsfähigkeit.“ Hinzu komme die vollzogene geldpolitische Wende – gestiegene Zinsen dämpften laut Bundesbank die privaten Investitionen zusätzlich. „Der härteste Investitionskiller aber trägt keinen Preis und lässt sich nicht wegprognostizieren: die fehlende Planungssicherheit. Ein externer Schock lässt sich modellieren – die Unfähigkeit, verlässliche Rahmenbedingungen zu setzen, nicht. Sie wirkt lange, bevor der Ölpreis ins Gewicht fällt“, betont Wohlfarth.
Ausblick: Hoffnung auf Nachholeffekt – Risiken bleiben erheblich
Für das zweite Quartal ist mit einem leichten Rückgang der Wirtschaftsleistung zu rechnen, in der zweiten Jahreshälfte zeichnet sich eine vorsichtige Belebung ab – sofern sich der Iran-Krieg nicht erneut entfacht. Die kalenderbereinigten Wachstumsprognosen für 2026 liegen zwischen 0,2 und 0,5 Prozent. Hält das Rahmenabkommen und wird die Straße von Hormus geöffnet, ist für Juli mit einer Aufhellung der Erwartungen zu rechnen – als Gegenbewegung, nicht als Trendwende.
„Für die Leasing-Branche bleibt die Lage angespannt. Eine nachhaltige Erholung der Investitionsfinanzierung erfordert mehr als das Abklingen des Schocks – sie setzt voraus, dass jene wirtschaftspolitische Planungssicherheit zurückkehrt, die schon vor dem Krieg fehlte“, fasst Wohlfarth zusammen.


