ifo Geschäftsklima Mai: Leasing-Erwartungen erholen sich – Lage gibt weiter nach

Infografik zeigt wesentliche Aussagen des Textes

Der ifo Geschäftsklimaindex für die Leasing-Branche stieg im Mai 2026 von −20,7 auf −10,1 Punkte. Der Anstieg geht vollständig auf eine deutliche Erholung der Erwartungskomponente zurück, die von −38,1 auf −12,9 Punkte zulegte. Die aktuelle Geschäftslage hingegen verschlechterte sich weiter: Sie fiel von −1,5 auf −7,2 Punkte und verlängert damit die Talfahrt der Vormonate. Beide Teilkomponenten verbleiben im negativen Bereich; von einer Entwarnung kann nicht die Rede sein.

„Die Entspannung bei den Erwartungen ist eine Gegenbewegung nach dem massiven Einbruch des Vormonats, kein Signal für eine bevorstehende Erholung der Investitionsfinanzierung“, ordnet Dr. Kai Wohlfarth, Referatsleiter Volkswirtschaft und Finanzierung, ein. „Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt und Energiekosten auf erhöhtem Niveau verharren, bleibt die Zurückhaltung bei Investitionsfinanzierungen im zivilen Bereich bestimmend.“

Gesamtwirtschaft: Leichtes Plus, aber der Trend zeigt nach unten

Das gesamtwirtschaftliche ifo Geschäftsklima stieg im Mai überraschend leicht von 84,5 auf 84,9 Punkte. Analysten hatten 84,2 Punkte erwartet. Sowohl die aktuelle Lage (von 85,4 auf 86,1 Punkte) als auch die Erwartungen (von 83,5 auf 83,8 Punkte) verbesserten sich marginal. Mit Ausnahme des Bausektors zog das Geschäftsklima branchenübergreifend an. Zwei ausgeprägte Einbrüche in den Vormonaten relativieren das Plus. Der ifo Frühindikator zeigt weiterhin klar nach unten. Auch der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen bestätigt dieses Bild. Für das zweite Quartal erwartet Commerzbank Research einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts, nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal noch um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen war.

Ursachen und Einordnung: Energiepreisschock bleibt dominanter Belastungsfaktor

Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus treibt die Energiepreise und lastet auf der Konjunktur. Der Sachverständigenrat bestätigt diesen Befund in seinem aktuellen Frühjahrsgutachten: Die privaten Ausrüstungsinvestitionen dürften im Jahr 2026 erneut gegenüber dem Vorjahr sinken. Der minimale Gesamtzuwachs der Ausrüstungsinvestitionen von 0,2 Prozent wird ausschließlich von öffentlichen Ausgaben im Verteidigungsbereich getragen. Für die Leasing-Branche bedeutet dies: Die partielle Erholung der Erwartungen ändert nichts daran, dass Investitionsfinanzierungen im zivilen Bereich gehemmt bleiben, solange Energiepreise und geopolitische Unsicherheit die Investitionsbereitschaft drücken. Dazu kommen fortgesetzte US-Zollbelastungen sowie das anhaltende Fehlen struktureller Reformen. Beide Faktoren verstärken den Schock, sind aber belastbar nicht seine Hauptursache. Das ZEW hatte seine Konjunkturerwartungen für Deutschland bereits im Vormonat deutlich nach unten korrigiert. Die ifo-Daten vom Mai bestätigen diesen Befund.

Fiskalpolitik verpufft, Zinswende rückt näher

Der für 2026 vorgesehene fiskalische Impuls von rund 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verpufft weitgehend. Energiepreisschock, außenwirtschaftliche Belastungen und Planungsunsicherheit neutralisieren seinen Multiplikatoreffekt. Die expansive EZB-Geldpolitik neigt sich dem Ende zu, da die Energiekosten infolge des Iran-Krieges die Inflation anfachen. Der Sachverständigenrat erwartet eine durchschnittliche Verbraucherpreisinflation von 3,0 Prozent im Jahr 2026. „Für die Sitzung des EZB-Rates am 11. Juni gilt eine Zinserhöhung als ausgemacht“, ordnet Wohlfarth ein. Steigende Zinsen würden die Finanzierungskosten im Leasing erhöhen und den ohnehin engen Investitionsspielraum weiter einschränken.

Ausblick: Konjunkturrisiken steigen mit jedem Tag der Blockade

Die Wachstumsprognosen für Deutschland stehen unter anhaltendem Abwärtsdruck. Der Sachverständigenrat erwartet in seinem Frühjahrsgutachten ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent für 2026, kalenderbereinigt lediglich 0,2 Prozent. Gegenüber dem Jahresgutachten 2025 entspricht dies einer Abwärtsrevision um 0,4 Prozentpunkte – maßgeblich aufgrund des Iran-Krieges. Nach Einschätzung der Commerzbank reichen die OECD-Rohölbestände rechnerisch bis Mitte 2027, doch eingeschränkte Raffineriekapazitäten könnten bereits früher zu Engpässen führen. Eine moderate Erholung bleibt im Basisszenario möglich, setzt aber eine rasche Beilegung des Konflikts voraus. „Eine nachhaltige Aufhellung der Branchenstimmung erfordert, dass sich sowohl die geopolitische Lage als auch die inländische Investitionsdynamik stabilisieren – beides ist gegenwärtig nicht absehbar“, fasst Wohlfarth zusammen.

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